23.03.2016 bis 12.04.2016

 

Brisbane

 

Ankunft in Brisbane

Wow, so schnell sind wir glaub noch nie aus einem Flughafengebäude rausgekommen. Kein Kontrollieren unserer riesigen Gepäckstücke, kein Zeigen der allfällig verschmutzen Wanderschuhen, keine zusätzlichen Fragen aufgrund unseres 6-Monats-Visums. Rein gar nichts. Es scheint also doch etwas Wahres dran zu sein, dass die Australier alles ein bisschen entspannter sehen?! Wenn dies bei unserem VW-Bus ebenfalls so leicht von Statten geht, sind wir vielleicht doch noch vor Ostern on the road. Wir haben es nämlich tatsächlich wieder einmal mal geschafft, die Ankunft unseres VW-Busses kurz vor einen Feiertag zu setzen. Nun ja, diesmal sind es mit Karfreitag und Ostermontag sogar zwei Feiertage. Wir verdrängen aber aufkommende Befürchtungen ganz schnell und versuchen, optimistisch zu bleiben. Aus diesem Grund haben wir vorerst auch nur zwei Nächte bei unseren AirBnB-Gastgeber in Brisbane gebucht. Bei AirBnB handelt es sich um eine Art Privatpension (Zimmer mit Frühstück), welche über eine Internetplattform gebucht werden kann. Gespannt, was uns dort erwarten wird, machten wir uns vom Flughafen mit Zug und Taxi (diesmal mit einem herkömmlichen und keins von UBER) auf den Weg. Im West-End-Viertel angekommen, wurden wir von Paula und Thommo (und ihren beiden Hunden, Chopper und Maggie) herzlichst in Empfang genommen. Wir fühlten uns von der ersten Sekunde an wie zu Hause. Zu unserer grossen Überraschung wurden wir auch gleich eingeladen, uns beim Nachtessen dazu zu setzen. Paula hat jedoch gleich augenzwinkernd angefügt, dass dies eine Ausnahme sei, weil sie viel zu viel gekocht habe und wir nicht davon ausgehen dürfen, nun jeden Abend ein warmes Nachtessen serviert zu bekommen. Der Lammbraten (obwohl ich ja kein sonderlicher Fan von Lammfleisch bin) und das Ofengemüse schmeckten ausgezeichnet. Als wir es uns mit Bier und Wein gemeinsam mit ihnen auf dem Balkon gemütlich machten, erhielten wir bereits erste Tipps rund um Brisbane sowie – besonders von Thommo – eine gelungene Einführung in den australischen Humor.

 

Geduld, Geduld...

Die erste Nacht in Brisbane war äusserst erholsam. Wir hörten nicht einmal die von Paula und Thommo angekündigten Possums über die Dächer rennen. Als wir gegen 8.00 Uhr so langsam aus den Federn krochen, waren Paula und Thommo bereits weg. Tagsüber hatten wir jeweils das ganze Haus (abgesehen von den beiden Hunden) für uns alleine, da Paula als Primarschullehrerin und Thommo als FedEx-Paketzusteller auf Arbeit waren. Doch für uns stand nun nicht etwa Faulenzen auf dem Programm. Auf uns wartete ebenfalls Arbeit. Schliesslich war bereits schon Mittwochmorgen und wir wollten unbedingt noch vor dem langen Osterwochenende die Angelegenheit mit der Fahr-Bewilligung geregelt haben. Nach einem ausgiebigen Frühstück in einem netten Café in unserem Wohnviertel machten wir uns zu Fuss auf den Weg ins Stadt-Zentrum von Brisbane. Dort besorgten wir uns als Erstes eine australische Prepaid-SIM-Karte, bevor es weiter ging zum Strassenverkehrsamt.

Was dann folgte, war ein Bürokratie-Marathon sondergleichen. Da irgendwie keiner so recht wusste, was zu tun war, wurden wir hilflos von einer Stelle zur anderen geschickt und von dort wieder zurück. Die Erfahrungsberichte in den Internetforen halfen uns leider nur bedingt weiter, da wir bisher niemanden gefunden hatten, der sein Fahrzeug im Bundestaat Queensland eingeführt bzw. auch im Netz darüber berichtet hatte. Und da leider auch in Australien eine Art „Kantönligeist“ herrscht, gibt es für jeden Bundesstaat eigene Regeln und Abläufe. In einem waren sich jedoch alle Berichterstatter einig: Es braucht viel Geduld und Nerven! Ohhhh ja... Und wie. Spätestens als uns die nette Dame am Schalter des Strassenverkehrsamtes erläuterte, dass wir unseren VW-Bus zuerst zu einem rechtsgesteuerten Fahrzeug umbauen müssten, ging bei mir definitiv der Laden runter. Martin blieb derweil erstaunlich ruhig, lächelte die Dame am Schalter an und meinte nur freundlich aber bestimmt, dass dies ganz sicher nicht notwendig sei. Während die Dame sich nochmals zurückzog, um sich mit ihrem Supervisor zu besprechen, drehte ich mich um und lief rüber zum Fenster am anderen Ende der Schalterhalle. Ich atmete dreimal tief durch, blickte auf die Kirche, die sich dahinter befand und sendete ein Stossgebet Richtung Himmel. Als ich gleichzeitig mit der Dame wieder zum Schalter zurückkehrte, erklärte uns diese mit einem entschuldigenden Lächeln, dass sie falsch lag und wir den VW-Bus selbstverständlich nicht umbauen müssten. Gott sei Dank! Das wär dann schon mal geklärt. Sie händigte uns daraufhin erneut zig Formulare aus, welche wir auszufüllen und mit den verlangten Dokumenten einzureichen hätten.

 

Eine gute und eine schlechte Nachricht

Am Donnerstagnachmittag, etliche Schaltergänge, Telefon- und Emailkontakte später und mit einer im Eilverfahren erstellten und amtlich beglaubigten Übersetzung unserer Fahrzeug- und Führerscheine (unser offizieller, internationale Führerschein – wohlbemerkt auch in Englisch verfasst – war den Australiern offensichtlich nicht amtlich genug), waren wir endlich im Besitz der temporären Fahr-Bewilligung. Zu unserer grossen Erleichterung ist nicht mal das Schild „LEFTHAND DRIVE“ notwendig, welches die anderen Verkehrsteilnehmer darauf hinweisen soll, dass es sich hier um ein linksgesteuertes Fahrzeug handelt. Mit einem Freudenschrei und der hart erarbeiteten Bewilligung in der Hand, verliessen wir das Strassenverkehrsamt. Amtlich gesehen wären wir nun ready to go. Doch leider steckt unser VW-Bus noch immer am Hafen fest.  Angeblich konnte ihn bisher noch kein Truck abholen und in die Quarantäne-Inspektions abliefern. Und da nun das Osterwochenende vor der Tür stand, wurden wir auf Dienstag nach Ostern vertröstet. Geduld ist also angesagt. Glücklicherweise gewährten uns Paula und Thommo – trotz der Osterfeiertage – weiterhin Asyl bei ihnen. Und dies obwohl sie selber für zwei Tage wegfuhren und somit ihr Haus vertrauensvoll in unsere Hände legten.

 

Ostern in Brisbane

Das Wichtigste bereits vorneweg: Das Haus steht noch! ;) Und uns ist während der Zeit in Brisbane auch niemals die Decke auf den Kopf gefallen. Obwohl wir bereits x-mal durch unser Wohnquartier gelaufen sind, entdeckten wir immer wieder Neues. Brisbane hat so viel zu bieten, dass man es problemlos länger als nur ein paar Tage in dieser 2-Millionen-Stadt aushalten kann. Und so liessen wir uns unzählige Male mit der City-Cat-Ferry (Fluss-Taxiboot) gemütlich über den Brisbane River befördern, besuchten diverse Märkte, gönnten uns fast jeden Abend ein Bierchen/Gläschen Wein sowie ein Nachtessen auswärts oder entspannten bei einem herrlichen Bad – entweder in unserem hauseigenen Pool oder in der grossartigen (und kostenlosen) öffentlichen Poolanlage im Stadtviertel von South Bank.

 

Ausflug an die Gold Coast

Am Ostermontag hat uns Paula davon überzeugt, mit dem Zug einen Ausflug an die Gold Coast zu unternehmen. Da sie von ihrer Freundin eingeladen wurde, ein paar Tage dort zu verbringen, begleitete sie uns und deckte uns auf der knapp einstündigen Zugfahrt mit wertvollen Tipps ein. In Burleigh Heads angekommen, gingen wir als Erstes in den von ihr empfohlenen Surf-Club zum Mittagessen. Wie von ihr angekündigt, muss man sich dort zuerst (kostenlos) einschreiben, um einen Tisch zu erhalten. Anschliessend konnten wir dann aber auf einer grossen Terrasse mit herrlicher Aussicht Platz nehmen und ein leckeres Mittagessen geniessen. Am Nachmittag begaben wir uns auf einen Wald-Spaziergang durch den Burleigh Heads Nationalpark sowie einem ausgiebigen Strandspaziergang (knapp 10 km) inkl. erfrischendem Bad im Meer. Als wir dann doch etwas müde vom Laufen endlich in Surfers Paradies angekommen sind, war es fast 17.00 Uhr bereits am Dämmern. Daran, dass es so früh dunkel wird, müssen wir uns erst noch gewöhnen. Wir schauten noch schnell bei ein paar Surf-Shops vorbei, entschieden uns aber bereits nach kurzer Zeit – aufgrund des mittlerweile unüberhörbaren Magenknurrens - ein gemütliches Lokal aufzusuchen, wo wir uns etwas zu Essen und ein grosses Bier bestellten. Als wir gegen 23.00 Uhr wieder in Brisbane angekommen sind, liessen wir uns müde in unser Bett fallen und schliefen kurze Zeit später zufrieden ein.

 

Langsam reisst der Geduldsfaden

Die Hoffnung, unseren VW-Bus am Dienstag nach dem Osterwochenende endlich in Empfang nehmen zu können, wurde von unserem Agenten leider jäh zerschlagen. Es gab aufgrund der Feiertage offensichtlich ein paar Engpässe, weshalb unser VW-Bus noch immer nicht in die Quarantäne-Inspektion gebracht werden konnte. Leider konnte er uns auch keine verbindliche Auskunft geben, bis wann damit gerechnet werden kann. Wir übten uns bisher sehr in Geduld und hielten uns auch zurück, unnötig Druck zu machen. Doch so langsam aber sicher riss uns der Geduldsfaden. Von unseren eigenen beruflichen Erfahrungen wissen wir, dass jene, die immer wieder stürmen, meist schneller an ihr Ziel gekommen. Wir „belästigten“ unseren Agenten deshalb ab sofort mit regelmässigen Kontaktaufnahmen. Offensichtlich hat dieses „Stürmen“ die gewünschte Wirkung nicht verfehlt und dafür gesorgt, dass doch langsam etwas Bewegung ins Spiel kam. So wurde uns nämlich bereits einen Tag später mitgeteilt, dass unser Bus soeben bei der Quarantäne-Inspektion abgeliefert wurde. Leider konnte man uns aber einmal mehr nicht sagen, wie lange die Angelegenheit dort dauern wird. Folglich verlängerten wir unseren Aufenthalt in Brisbane ein weiteres Mal, wurden von unseren Gastgebern jedoch darauf aufmerksam gemacht, dass wir leider spätestens bis Donnerstagmittag ausziehen müssten, da sie im Laufe des Nachmittags neue Gäste erwarteten.

 

Umzug nach Brisbane-Manly

Und so kam es, dass auch am Donnerstag unser VW-Bus noch immer nicht abholbereit war und wir uns auf der AirBnB-Internetseite nach einer neuen Bleibe umsehen mussten. Diesmal suchten wir etwas in der Nähe des Hafens und wurden in Manly fündig. Mit dem UBER-Taxi liessen wir uns am Donnerstag kurz nach Mittag zum Haus unserer neuen Gastgeber chauffieren. Der Empfang durch den Hausherrn war zwar etwas verkrampft und nicht mehr ganz so warm und herzlich wie bei Paula und Thommo, doch dafür gabs ein Zimmer wie aus einem Möbelkatalog entsprungen, mit Fernseher und eigenem Badezimmer sowie eine Nespresso-Kaffeemaschine in der Küche, die wir benutzen durften. Nachdem wir uns kurz frisch machten (es war wieder mal „tüppig“ heiss), gingen wir zu Fuss auf Erkundungstour, um uns etwas abzulenken. So langsam aber sicher wurden wir nämlich nervös. Wenn wir nicht bald von unserem Agenten das OK erhalten, den Bus am Freitag abholen zu können, „müssen“ wir uns für ein weiteres Wochenende in Brisbane organisieren, dabei können wir es doch kaum erwarten, mit unserem vierrädrigen Reisegefährten loszuziehen und die unglaubliche Weite Australiens zu entdecken.

 

Den Mutigen gehört die Welt

Von unserem Agenten erhielten wir gestern die genaue Adresse, von wo wir unseren VW-Bus nach erfolgter Quarantäne-Inspektion (eventuell) im Laufe des Freitags abholen können. Immer diese vagen Angaben... Bevor uns diese ewige Warterei noch wahnsinnig macht, packten wir am Freitagvormittag mutig unsere sieben Sachen und liessen uns von einem UBER-Taxi an den Hafen führen. Wir meldeten uns dort mit Sack und Pack am Empfang, wo man uns tatsächlich kurze Zeit später zu den verantwortlichen Personen auf das Hafenareal liess. Als wir dort auf die verantwortliche Person warteten, hat uns ein Quarantäne-Arbeiter angesprochen und uns wissen lassen, dass unser VW-Bus die Inspektion bestanden habe und nun lediglich noch ein paar administrative Angelegenheiten erledigt werden müssen. Oh nein, nicht schon wieder!! Nach den bisherigen Erfahrungen machten wir uns auf einen weiteren, langatmigen Bürokratie-Marathon gefasst. Doch bereits wenige Minuten und ein paar Telefonate später, streckte uns eine Mitarbeiterin lächelnd die Fahrzeug-Schlüssel entgegen und begleitete uns zu unserer „Red Lady“, wie sie unseren VW-Bus liebevoll nannte. Nach einem kurzen Check ob noch alles dran (und vor allem drin!) ist, entfernten wir alle störenden Aufkleber auf der Windschutzscheibe sowie die von uns angebrachten Plastikbezüge auf den Sitzen. Schlüssel ins Zündschloss gesteckt, umdrehen und Los geht’s! Unser VW-Bus startete den Motor direkt auf Anhieb, so als ob auch er es kaum erwarten kann, mit uns loszuziehen.

 


Gold Coast

 

Unsere erste Station galt erneut der Gold Coast, welcher wir bereits am Ostermontag kurz kennengelernt hatten. Die drückend heissen Temperaturen veranlassten uns, die „Klimaanlage“ einzuschalten, was bei einem VW-Bus Baujahr 1989 so viel heisst wie: Scheiben bis zum Anschlag runterkurbeln und mit dem Fahrtwind für Abkühlung sorgen. Nachdem wir uns im Supermarkt mit einem Grundstock an Lebensmitteln, Gewürzen und Getränken eingedeckt hatten, liessen wir uns auf einem Campingplatz am Strand nieder. Dort hiess es dann wieder einmal: Reisetaschen auspacken und alles im Bus verstauen. Nachdem dies erledigt war, machten wir uns nochmals auf den Weg, um uns nebst diversen anderen Campingutensilien auch noch eine elektronische Kühlbox zu besorgen (unser eingebauter Kühlschrank bietet halt doch nicht ganz so viel Stauraum). Dass unterwegs dann auch plötzlich noch ein Billabong-Shop auftauchte, war reiner Zufall. Wirklich! ;)

 


Springbrook National Park

 

Den nächsten Tag gingen wir dann ruhig und entspannt an. Nach einem Spaziergang am Strand (inkl. erfrischendem Bad im Meer) und anschliessendem Frühstück draussen in der Morgensonne, studierten wir unseren Reiseführer und versuchten dabei eine mögliche Reise-Route festzulegen. Versuchten. Denn wie heisst es so schön: Wer die Wahl hat, hat die Qual. Irgendwie klingt alles sehenswert. Es sind Entscheidungen, die besonders mir nicht ganz leicht fallen und doch müssen irgendwann mal welche her. Wir entschieden uns, die lebhafte Gold Coast zu verlassen, um uns stattdessen ins Hinterland, zum Springbrook National Park zu begeben. Dieser ist in drei Sektionen unterteilt (Springbrook Plateau, Mount Cougal und Natural Bridge), die alle separat angefahren werden müssen. Wir entschieden uns für das Springbrook Plateau, da unser Reiseführer diesen Teil als am Interessantesten bezeichnete. Leider war es ziemlich bewölkt, ja sogar neblig als wir dort ankamen. Wir liessen die 6 km lange Wanderung zum 109 m hohen Purling Brook Wasserfall deshalb sein und machten stattdessen lediglich einen kurzen Rundweg durch den Regenwald und fuhren anschliessend weiter zum Aussichtspunkt „Best of All Lookouts“. Der Name war Programm, sodass uns - nachdem sich die Bewölkung stellenweise aufgeklärt hatte -  tatsächlich eine wunderbare Aussicht auf den Vulkan Mount Warning und die Küste bis nach Byron Bay gewährt wurde.

 


Byron Bay

 

Nach dem kurzen Abstecher ins Hinterland zog es uns aber bereits wieder an die Küste. Das Städtchen Byron Bay liegt am östlichsten Punkt des australischen Festlandes und hat die wohl teuersten Campingplätz im Angebot. Trotzdem fand ich es dann doch etwas überrissen, als die Dame an der Rezeption über AUD 68.- pro Nacht verlangte. Gute Lage hat offensichtlich ihren Preis. Zudem waren wir beide erschöpft von der langen Fahrt und hatten weder die Lust noch die Energie, nach einer günstigeren Alternative zu suchen. Sobald wir unseren VW-Bus abgestellt hatten, zogen wir unsere Badeanzüge an und suchten uns ein freies Plätzchen am ziemlich stark bevölkerten Strand von Belongil Beach. Wir genossen es, die Sonne auf unserer Haut zu spüren oder im Meer herum zu planschen. Doch wie gewohnt zog sich auch hier die Sonne kurz nach 17.00 Uhr zurück. Da es jedoch auch nach Sonnenuntergang noch ziemlich mild war, stellten wir unseren Campingtisch und Stühle auf. Einem Nachtessen unter Sternenhimmel stand somit nichts mehr im Wege. Vorausgesetzt, wir schlafen nicht noch beim Grillieren ein. Unsere vom Metzger gefüllten Pouletbrüstchen mit Frischkäse, Rohschinken und Dörrtomaten lagen nun bereits seit mindestens 50 Minuten auf dem Grill und wollten einfach nicht richtig gar werden. Wir schworen uns, dies nie wieder zu tun. Hungrig wie wir langsam waren, verzehrten wir deshalb schon mal den Salat, welcher eigentlich als Beilage gedacht war. Irgendwann waren dann aber auch die Pouletbrüstchen so weit. Mmmmh, lecker waren sie.

Am nächsten Tag verbrachten wir knapp zwei Stunden in den zahlreichen Shops und Surfer- und Kleiderläden im Zentrum von Byron Bay und gönnten uns in einem gemütlichen Café mal wieder einen schaumigen Cappuccino. Als wir uns wieder zurück zu unserem VW-Bus machten, hofften wir, keine Busse auf der Windschutzscheibe vorzufinden. Unsere gelöste Parkdauer war nämlich längst abgelaufen. Und tatsächlich lag da ein Stück Papier unter den Scheibenwischern. Die Busse stellt sich jedoch glücklicherweise als einen handgeschriebenen Zettel heraus, den jemand zusammen mit seiner Visitenkarte hinterlassen hat und sich über eine Kontaktaufnahme von uns freuen würde. Wir bedankten uns erleichtert für das Interesse (und dafür, dass es keine Busse war), legten den Zettel aber vorerst mal auf die Seite und fuhren weiter zum Leuchtturm am Cape Byron. Dieser ist per Fahrzeug zwar erreichbar, allerdings ist der Parkraum rund um den Leuchtturm beschränkt und mit einer fixen Tagespauschale von AUD 8.- zudem recht teuer, wenn man diesen nur kurz besichtigen möchte. Wir stellten unseren VW-Bus deshalb ein wenig unterhalb auf einen Parkplatz, wo wir selber entscheiden konnten, für wie lange wir bezahlen möchten und somit ein paar Dollar einsparen konnten. Nichtsdestotrotz war der Ausflug sein Geld allemal wert. Der Rundwanderweg beim Leuchtturm führte bis zum östlichsten Punkt Australiens ("most easterly point of Australia") und bot sich uns einen herrlichen Blick auf die umliegenden Strände und den Pazifik.

 


Girraween Nationalpark

 

Nach dem ganzen Trubel an der touristischen Küste zogen wir es vor, uns wieder in die weitgehend ursprüngliche Natur zurückzuziehen. Wir fuhren entlang der Küste nach Ballina, wobei man auf dieser Strecke leider keine direkte Sicht auf das Meer hatte. In Ballina wechselten wir dann auf den teilweise sehr kurvenreichen Bruxner Highway über Lismore und Casino und gelangen damit erneut ins australische Hinterland. Es war angenehm warm, sodass wir unsere Fenster während der Fahrt leicht geöffnet hatten. Dabei kam mir immer wieder mal ein seltsames Pfeiffen/Quitschen zu Ohren, das mich langsam aber sicher etwas verunsicherte. Stimmt vielleicht etwas mit unserem Bus nicht? Auch Martin konnte sich nicht wirklich einen Reim darauf bilden. Irgendwann stellten wir fest, dass es immer dann auftritt, wenn wir durch einen Wald fahren und es sich wohl um einen Vogel handeln muss. Von denen hat es hier in Australien eine Menge. Und das in allen Farben und Grössen. Wir müssen dabei schmunzelnd an Martin’s Tante Annelise und ihren Partner Alois denken. Ob unsere Hobby-Ornithologen dieses Geräusch dem richtigen Vogel hätten zuordnen können? Als wir am späteren Nachmittag in Tenterfield ankamen, liessen wir uns im Tourismusbüro von einer sehr sympathischen und hilfsbereiten Mitarbeiterin über die beiden angrenzenden Nationalparks informieren. Wir erhielten von ihr nützliches Kartenmaterial sowie wertvolle Informationen für die Buchung von Campingplätzen. Der Campingplatz im Nationalpark von Girraween gehört nämlich bereits wieder zum Bundesstaat Queensland und dort müssen die Nationalparkcampingplätze offenbar telefonisch oder übers Internet gebucht und bezahlt werden („Kantönligeist“ lässt grüssen). Da man im Nationalpark keinen Telefonempfang hat, wählten wir also noch in Tenterfield die Nummer des Nationalparks, um eine Buchung vorzunehmen. Nicht dass wir vergebens dorthin fahren, obwohl bereits schon alles ausgebucht ist. Wir hatten Glück und erwischten den vorletzten Stellplatz. Und so machten wir uns auf den Weg und bezogen ca. 30 Minuten später unser Nachtlager mitten in einem Wald. Bevor die Sonne unterging, machten wir noch eine kurze Rundwanderung von ca. 45 Minuten. Sicherheitshalber nahmen wir aber die Stirnlampe mit, welche wir dann tatsächlich auch noch in Betrieb nehmen mussten. Ich muss ehrlich gestehen, dass mir nicht ganz mulmig zumute war. Das erste Mal bei Dämmerung unterwegs in einem Nationalpark mitten im Wald, umgeben von lauter wilden Tieren (zumindest existierten die in meiner Vorstellung), wovon einige davon ja auch noch giftig sind. Jedes Mal wenn ich versehentlich ein Gebüsch gestreift hatte oder einen Ast berührte, fürchtete ich, dabei eine Spinne erwischt zu haben. Auch als wir anschliessend auf dem Campingplatz draussen vor dem VW-Bus unser Nachtessen verspeisten, schaute ich immer wieder nervös um mich, ob sich nicht doch von irgendwo her eine giftige Spinne oder Schlange näherte. Leider war ich derart angespannt, dass ich diese wunderbare Idylle um uns herum, gar nicht richtig geniessen konnte.

Am nächsten Tag machten wir uns früh auf zu den „Pyramids“. Die Wanderung führte uns durch eine urwüchsige Landschaft mit massiven Granitblöcken, die in unterschiedlichen Formationen da lagen. In einem lichten Waldstück stiessen wir dann plötzlich auf Dutzende Kängurus, die total unbeeindruckt von unserer Anwesenheit friedlich am Fressen waren. Herrlich, der Anblick dieser frei lebenden (und nicht tot am Strassenrand liegenden) Tiere. Ich war froh, meine Statistik damit wieder etwas ausbessern zu können. Als wir aus dem Wald rauskamen, standen wir plötzlicher vor einer steil hinaufragenden Felswand, die überwunden werden wollte. Wir waren froh, dass dieser steile Aufstieg noch im Schatten lag und wir zudem rutschfeste Schuhe trugen. Oben angekommen (es war noch nicht einmal 8.00 Uhr) wurden wir dann mit einer wunderbaren Aussicht auf das dicht bewachsene Hochlandplateau und mit wärmenden Sonnenstrahlen belohnt.

 


Bald Rock Nationalpark

 

Nach unserer Wanderung zu den „Pyramids“ und der anschliessend gemütlichen Kaffee-Pause auf dem Campingplatz machten wir uns auf den Weg zum nächsten Nationalpark, dem Bald Rock Nationalpark. Dabei liessen wir den Bundesstaat Queensland wieder hinter uns und landeten wieder im Bundesstaat New South Wales. (Dort muss man den Campingplatz nicht vorher telefonisch buchen, sondern kann direkt vor Ort den geschuldeten Betrag in einen Umschlag und in die dafür vorgesehene Box werfen. Easy.) In Tenterfield legten wir jedoch nochmals einen kurzen Stopp ein, um in einem Supermarkt unsere Vorräte aufzufüllen und uns in einem gemütlichen Café ein leckeres Mittagessen zu gönnen. Anschliessend ging es wieder raus in die Natur. Beim Campingplatz im Bald Rock Nationalpark handelte es sich erneut um ein wahres Bijou mitten in einem Wald. Während Martin den Tacho reparierte (der Kilometerzähler war ausgestiegen), entspannte ich auf unseren Liegestühlen und lauschte den Geräuschen im Wald. Allerdings hielt ich dabei die Augen weit offen für den Fall, dass sich irgendwo eine Spinne herabseilte oder eine Schlange aus dem Gebüsch kroch. Auch am Abend als wir eigentlich gemütlich bei unserem kleinen Lagerfeuer sassen, war die Angst vor Spinnen und Schlangen allgegenwärtig.

Am nächsten Tag begaben wir uns um kurz vor 9.00 Uhr erneut auf eine Wanderung, die uns auf den „Bald Rock“, dem Namensgeber des Nationalparks, führte. Dabei handelt es sich um einen isoliert stehenden Granitfelsen, welcher 750 m lang, 500 m breit und 200 m hoch ist. Der „kahle Felsen“, wie „Bald Rock“ auf Deutsch heisst, soll der grösste Granitmonolith der südlichen Hemnisphäre sein. Der Aufstieg war wiederum äusserst steil, jedoch in weniger als 30 Minuten problemlos zu meistern. Einmal mehr präsentierte sich uns ein herrliches Panorama, wovon wir uns kaum mehr trennen konnten. Für den Abstieg wählten wir die längere Route durch den Wald anstelle der steilen Felswand und kamen dabei vorbei an ähnlichen Felsformationen, wie wir sie schon im Girraween Nationalpark angetroffen hatten. Zurück auf dem Campingplatz machten wir uns kurz frisch, bevor wir uns wieder mit unserem VW-Bus auf den Weg machten.

 


Red Rock

 

Die ca. 340 km lange Fahrt über Tenterfield, Glen Innes und Grafton führte uns entlang des Mann Rivers durch ein wunderschönes Flusstal, vorbei an saftigen Wiesen und Felder (einige davon mit zahlreichen Termitenhügeln besetzt) oder lichtdurchfluteten Waldabschnitte. Bei Corindi bogen wir dann in eine schmale Strasse nach Red Rock und waren damit wieder bei der australischen Ostküste angelangt. Wir bezogen Quartier auf einem Campingplatz mit Rasen (allerdings mit seltsamen kleinen Löchern drin) direkt hinter den Dünen. An ein ruhiges Bad im Meer war hier jedoch nicht zu denken, da es ziemlich hohe Wellen hatte. Stattdessen setzten wir uns mit einer Flasche Weisswein in den Sand und genossen die Stimmung der einsetzenden Dämmerung. Es gibt Schlimmeres, oder?

Am nächsten Morgen wurden wir von wärmenden Sonnenstrahlen geweckt. Bevor wir uns Frühstück machten, begaben wir uns aber noch auf einen Spaziergang am Strand. Da gerade Flut herrschte, war der Strandabschnitt gegenüber von gestern um ein Vielfaches geschrumpft, sodass wir in Schräglage der Dünen durch tiefen Sand waten mussten. Ein gutes Fitnesstraining, was uns definitiv nicht schaden kann. Beim anschliessenden Frühstück klärte sich dann noch auf, was es mit den vielen kleinen Löchern im Rasen auf sich hat. Heute Morgen krochen dort nämlich immer wieder mal kleine Krebse raus, die sich jedoch schnellstens wieder darin versteckten, wenn wir uns bewegten. Nachdem wir Tisch und Stühle wieder im Bus verstaut hatten und Martin noch schnell das Handschuhfach repariert hatte, ging es frisch geduscht weiter. Vorbei an Bananenplantagen, steuerten wir nach ca. 40 km die Bananenhauptstadt Coffs Harbour an.

 


Coffs Harbour

 

In einem grossen Supermarkt deckten wir uns mit frischen Lebensmitteln ein, bevor wir kurze Zeit später in einem mit gutem Gratis-Wifi und Waschmaschine ausgestatteten Campingplatzen einkehrten. Während sich Martin um unsere Wäsche kümmerte, klemmte ich mich hinter den Laptop, um endlich unsere Berichte über Neuseeland fertig zu stellen. Nach einem selbstgekochten, thailändischen Nachtessen nutzten wir das einwandfreie und kostenlose Wifi, um endlich mal wieder ein paar Skype- und WhatsApp-Telefonate mit Freunden und Familie zu führen. Es tat sooo gut, wieder einmal ihre Stimmen zu hören und gegenseitig Neuigkeiten auszutauschen. Am nächsten Morgen beschlossen wir deshalb, eine weitere Nacht auf diesem Campingplatz anzuhängen. Viel zu selten können wir von solch gutem Gratis-Internetzugang profitieren und so konnten wir endlich weitere Berichte und Fotos auf unsere Internetseite hochladen. Nach getaner Arbeit haben wir den Campingplatz dann doch noch mal verlassen und machten trotz trübem Wetter einen Strandspaziergang. Wir schauten den Surfern bei ihren mehr oder weniger gekonnten Versuchen zu und staunten über das Kunstwerk der kleinen Strandkrebse, die beim Bau ihrer Höhlen entstanden ist. Auf dem Rückweg gönnten wir uns im kleinen Hafenörtchen mal wieder ein leckeres Nachtessen in einem Restaurant, bevor es dann bei Dunkelheit zu Fuss wieder zurück zum Campingplatz ging.

 


Dorrigo National Park

 

Nachdem wir nun wieder zwei Tage an der Küste verbrachten, steuerten wir einmal mehr einen Nationalpark im Hinterland an. Der Dorrigo National Park, welcher am Rande der grossen Abbruchkante (Great Escarpment) der Great Dividing Range* liegt, bildet zusammen mit den umliegenden Nationalparks die Central Eastern Rainforest Reserves of Australia. Ein 70 m langer Laufsteg über den Baumwipfeln gewährte uns einen spannenden Einblick in den unter uns liegenden Regenwald. Der 5,8 km lange Rundwanderweg führte uns anschliessend in den Regenwald hinein und vorbei an drei mehr oder weniger sehenswerten Wasserfällen. Wir staunten über die hohen Bäume und das dichte Grün, durch das stellenweise fast kein Licht durchdringen konnte. Oft blieben wir einfach nur stehen, atmeten die feuchte Luft ein und lauschten den vielen Geräuschen, aber auch der Ruhe, die dieser Wald ausstrahlte. Ein wahres Erlebnis für all unsere Sinne. Nach diesem wunderbaren Ausflug und einem kurzen Picnic beim Parkplatz des Nationalparks ging es für uns weiter über die Ortschaft Bellingen auf den Highway Number 1 bis nach Kempsey. Unsere Camper-App „WikiCamps“ führte uns auf einen sogenannten „Showground“. Dies sind oft Plätze, auf denen Veranstaltungen wie eine Kilbi oder Pferderennen stattfindet und die ausserhalb dieser genutzten Aktivitäten als günstige Campingplätze angeboten werden. So bezahlten wir für die Nacht (inkl. warme Duschen, Toiletten und Strom) lediglich AUD 20.-.

 

* Great Dividing Range: Vor 15 Millionen Jahren kollidierte die australische mit der pazifischen Kontinentalplatte, wodurch Pflanzen aus Südostasien in die ursprünglichen Wälder Australiens entlang der Great Dividing Range einwandern konnten. Im Verbund mit den hohen Niederschlagsmengen an der Ostküste entwickelte sich ein fantastisches Ökosystem, das die UNESCO als Welterbstätte eingestuft hat. Zwar nehmen diese Urwälder nur 0,3% der Gesamtfläche Australiens ein, aber über 60% aller Tier- und Pflanzenarten des Kontinents leben in ihnen. (Auszug aus unserem Reiseführer).

 


Port Macquarie - Crowdy Bay Nationalpark

 

Als wir wieder bei Port Macquarie wieder in Küstennähe kamen, war es Zeit für eine Pause und einen Spaziergang am Meer. Entlang der Promenade befanden sich unzählige bemalte Steine. Während einige mit wunderbaren Mustern und Bildern verziert waren, gab es andere, die lediglich einen Spruch oder Namen aufgemalt hatten. Auf einer Gartenterrasse mit Blick auf den Hafen gönnten wir uns anschliessend einen Cappuccino bzw. Milchshake, auf die wir fast eine halbe Stunde warten mussten. Hätten wir nicht bereits bestellt und bezahlt (so wie das hier in Australien halt üblich der Fall ist), wären wir wohl gegangen. Doch wir wollen uns ja nicht beschweren, schliesslich haben wir jede Menge Zeit. Nach dieser Erfrischung ging es für uns weiter zum Crowdy Bay Küstennationalpark, wo wir den restlichen Tag entspannen und dann auch noch gleich die Nacht verbringen wollten. Beim Nationalpark-Campingplatz angekommen, realisierten wir, dass wir diesen erst noch telefonisch buchen müssen (hmmm, befinden wir uns denn bereits wieder im Bundesstaat Queensland?). Glücklicherweise hatten wir hier Telefonempfang. Das Telefongespräch brachte mich allerdings beinahe an den Rand der Verzweiflung. Dies lag einerseits daran, dass der Herr am anderen Ende, mit der Aufzählung der verschiedenen, ähnlich klingenden Nationalpark-Campingplätzen bei mir für komplette Verwirrung sorgte und ich andererseits heillose Mühe hatte, seinen ausgeprägten australischen Dialekt zu verstehen. Auch er hatte mindestens drei Mal meine Emailadresse falsch wiederholt, so dass ich bis zum Schluss nicht sicher sein konnte, ob ich die für den Ranger notwendige Bestätigung dann auch tatsächlich in meinem Emailposteingang finden werde. Meine Nerven lagen blank. Aus einem mir unerklärlichen Grund war ich heute aussergewöhnlich dünnhäutig und spätestens nach diesem Telefon wurde mir alles zu viel. Ein paar Stunden und einen Spaziergang am Strand später hatte sich mein Gemüt aber wieder beruhigt. Ein Blick auf die wunderschöne Umgebung und eine innige Umarmung vom besten Reisepartner, den ich mir wünschen kann (auch wenn ich ihn hin und wieder mal für 5 Minuten zum Mond schiessen könnte), sorgte dafür, dass ich mich wieder wohl fühlte.

 


Port Stephens

 

Als wir am Morgen vom Campingplatz weggefahren sind, kam uns prompt der Ranger entgegen. Im Wissen, dass wir die versprochene Bestätigungsemail nie erhalten haben, wurde ich kurz nervös. Einen Grund dazu gab es allerdings nicht. Nachdem wir dem Ranger unseren Namen genannt hatten, war für ihn alles klar und er liess uns weiterziehen. No worries... (etwas, das die Australien bei jeder Gelegenheit sagen und ich langsam aber sicher auch in meinen Wortschatz und in mein Bewusstsein einfliessen lasse). Nachdem wir heute über 250 Kilometer zurückgelegt hatten, auf denen es nicht viel Nennenswertes zu sehen gab, beschlossen wir, bei Port Stephens unser heutiges Nachtlager aufzurichten. Während ich mich mal wieder unseren Reiseberichten widmete, begab sich Martin auf einen Spaziergang am Strand. Wirklich konzentrieren konnte ich mich allerdings nicht. Der Trubel auf dem voll besetzten Campingplatz lenkte mich viel zu sehr ab. Es war äusserst amüsant, die vielen Szenen um mich herum zu beobachten.

 


Tilligerry Peninsula – Newcastle – Tuggerah Lake

 

In unserem Reiseführer bin ich auf die Info gestossen, dass auf der Tilligerry Halbinsel frei lebende Koalas zu sehen sind. Nachdem ich bisher noch nie einen lebenden Koala (und auch keinen toten) gesehen hatte, wollte ich mir diese Gelegenheit auf keinen Fall entgehen lassen. Wir machten uns also auf den Weg dorthin und begaben uns am Uferstreifen zum Tilligerry Creek auf einen Wanderpfad. Dieser führte uns zuerst auf einem Holzsteg vorbei an Mangrovenbäumen (und einer Waschmaschine?!) bis wir irgendwann von zahlreichen Eukalyptusbäumen umgeben waren. Mit dem Blick nach oben gerichtet, wanderten wir durch die Bäume und hofften darauf, endlich einen lebenden Koala zu erblicken. Leider vergebens... Auf unserem Rückweg trafen wir auf einen Mann, der uns fragte, ob wir auf der Suche nach dem Koala sind. Hab ich das jetzt richtig verstanden? Lebt hier etwa nur ein einziger Koala? Er erklärte uns, auf welchem Baum er am häufigsten zu sehen ist. Wie sich herausstellte, stand dieser direkt neben dem Parkplatz, wo wir unseren VW-Bus abgestellt hatten. Doch leider hatten wir auch hier kein Glück und wir mussten ohne Koala-Sichtung wieder weiterziehen. Immerhin war es ein schöner Morgenspaziergang und somit nicht ganz für die Katz gewesen. Wir fuhren weiter nach Newcastle, wo wir zum alten Leuchtturm am Nobby’s Head spazierten und anschliessend bei einer Imbissbude eine Pie (Rindfleischpastete) mit Tomaten- und Erbslipürree sowie Bratensauce probierten. Gar nicht mal so schlecht, diese Pie. Nach diesem Zwischenhalt fuhren wir weiter auf dem landschaftlich reizvolleren, alten Pacific Highway anstelle des schnellen Newcastle-Sydney Freeways. Am Tuggerah Lake fanden wir dann ein schönes Plätzchen direkt am See, wo wir auf unseren Liegestühlen ausgiebig Sonne tanken und anschliessend einen wunderschönen Sonnenuntergang über den See geniessen konnten. Als wir beim Abendessen gemütlich vor unserem Bus sassen, kam eine ältere Dame auf uns zu, um uns die Hälfte eines Chnoblibrotes anzubieten. Wie sie uns erklärte, hätten ihre Enkel heute irgendwie keine Zeit für das Nachtessen, weshalb dieses nun übrig geblieben sei. Zuerst wollten wir ablehnen, da wir ja selber schon genug zu Essen auf dem Tisch hatten, doch wir realisierten schnell, dass wir sie damit nur enttäuschen würden. Als ich ihr später den Teller – zusammen mit einem Reiheli Schweizer Linth-Schokolade (was Besseres konnten wir in unseren Beständen auf die Schnelle nicht finden) – zurückgebracht hatte, erfuhr ich noch ein bisschen mehr aus ihrem Leben und lernte mit ihr auch zum ersten Mal eine Aborigine kennen. Eine liebenswürdige Dame. Es brach mir beinahe das Herz, zu erfahren und auch zu sehen, wie wenig sich ihre Enkel für sie interessieren.