20.04.2016 bis 05.05.2016

 

Auf Irrwegen zum nächsten Campingplatz

 

Wir liessen Australiens Hauptstadt hinter uns und fuhren Richtung Westen. Dabei kamen wir vorbei an zahlreichen, nigelnagelneuen Wohnquartieren. Einige davon waren sogar erst noch am Entstehen. Offensichtlich ist es lukrativ, in diese Gegend zu investieren bzw. sich dort niederzulassen. Während wir staunend nach links und rechts blickten, entging es natürlich unserer Aufmerksamkeit, dass unser (lautloses) Navi schon seit geraumer Zeit darauf hinweisen würde, dass wir uns auf dem Holzweg befinden. Erst als die Strasse vor uns plötzlich endete (auch diese ist offensichtlich erst noch am Entstehen), bemerkten wir das Malheur. Wir wendeten mitten auf der nigelnagelneuen Kreuzung und waren ein paar Kilometer später wieder auf Kurs. Doch wo ist nun dieser Campingplatz, den wir uns für heute Nacht ausgesucht hatten? Diesmal lag es nicht an unserem Verschulden, dass wir ihn nicht finden konnten, sondern an einem Fehler in der App, welche die Position nicht richtig angezeigt hatte. Nachdem wir ihn dann schlussendlich doch noch gefunden hatten, standen wir aufgrund der mittlerweile fortgeschrittenen Dämmerung vor dem nächsten Problem. Wir hatten keine Ahnung, wo es hier noch einen freien Stellplatz gibt (wenn überhaupt!). Wir klopften deshalb beim Haus direkt hinter dem Eingang, weil wir dort den Platzwart vermuteten. Ein älteres Pärchen öffnete die Tür und erklärte uns, dass ein Ranger für diesen Campingplatz verantwortlich sei. Wir können jedoch ein Formular bzw. ein Couvert ausfüllen und dann zusammen mit dem passenden Betrag in die dafür vorgesehene Box werfen. Die Frage nach einem freien Platz konnten sie uns allerdings nicht beantworten. Und so machten wir uns erneut auf die Suche und stellten uns schlussendlich einfach irgendwo dazwischen. Da es keine eingezeichneten Plätze gab, spielte es hier offensichtlich keine Rolle, wer wie viel Platz in Anspruch nimmt. Unsere Nachbarn hiessen uns dann auch freundlich willkommen. Aufgrund der Schulferien waren zurzeit grad viele Familien mit ihren Kindern hier, die nun alle um ihre Lagerfeuer sassen. Bei einigen kam zwar nicht mehr vielmehr als Rauch zum Vorschein und so trotzten wir dem Risiko ausgeräuchert zu werden und genossen die friedliche Atmosphäre, draussen in der Natur.


Snowy Mountains - Kosciuszko National Park

 

Nach einer erfrischenden Dusche und einem stärkenden Frühstück ging es am nächsten Morgen weiter Richtung Snowy Mountains. Dabei handelt es sich um jenen Teil der Australischen Alpen, der sich auf dem Boden des Bundesstaates New South Wales befindet. Der höchste Berg des australischen Festlandes, Mount Kosciuszko (2'228 m.ü.M.), liegt denn auch inmitten des Hauptgebirgszuges (Main Range) nahe der Grenze zu Victoria, wo fast alle australischen Zweitausender liegen. Es heisst, dass die schneebedeckten Flächen der Australischen Alpen grösser sind als jene der Schweiz. Es fällt uns irgendwie schwer, das zu glauben, verbindet man mit Australien doch vielmehr Strände und Meer als Skipisten und Schnee. Um nicht den ganzen Weg wieder bis nach Canberra zurückzufahren, folgten wir weiter der Strasse, über die wir gestern hierhin gelangt waren, bis wir dann querfeldein nach Cooma gelangten, von wo es auf der Kosciuszko Road bis zum gleichnamigen Nationalpark-Eingang weiter ging. Aus einem Kassenhäuschen wurden wir dort von einer freundlichen Dame begrüsst, die uns ein Eintrittsticket (für 24 Stunden) verkaufte, uns über die vorhanden Campingplätze (Plumpsklo, keine Duschen) informierte und noch ein wenig mit uns plauderte, bis sich das nächste Fahrzeug dem Kassenhäuschen näherte. Bevor wir uns aber auf einem Campingplatz niederliessen, fuhren wir zuerst noch ein paar Kilometer weiter bis nach Thredbo. Dieser wohl bekanntesten australischen Ski-Resort erinnert mit seinen Apartmenthäusern, Geschäften und Restaurants irgendwie an eine kleine Ausführung eines kanadischen Ski-Resort. Nachdem wir uns im Tourismusbüro Kartenmaterial der Umgebung geben liessen, setzten wir uns in eine Gartenterrasse und bestellten uns dort in der dazugehörigen Bäckerei einen kleinen Mittagssnack. Während wir unsere herzhaften Pies assen, studierten wir die Karten und entschieden uns dafür, erst morgen eine Wanderung zu unternehmen und für heute lediglich noch einen schönen Campingplatz anzusteuern, um dort noch etwas auszuspannen. Daran, dass die Sonne in diesem Talkessel schon sehr früh hinter den „Bergen“ verschwinden würde, hatten wir (ja, sogar jene unter uns, die aus Uri stammen) überhaupt nicht gedacht. Auch dass wir uns hier auf 1'213 m.ü.M. in einer alpinen Klimazone befanden, war uns irgendwie noch nicht so bewusst. Als das Thermometer nach Sonnenuntergang dann aber schlagartig tiefer fiel, zogen wir es vor, uns in unseren warmen VW-Bus zurück zu ziehen.

 

Auch am nächsten Morgen liessen die wärmenden Sonnenstrahlen auf sich warten. Nebst den Bergen war heute allerdings noch ein zäher Nebel im Weg. Eine Wanderung auf Australiens höchsten Berg machte bei diesen Bedingungen definitiv keinen Sinn. Wir entschieden uns deshalb für ein Frühstück in der Café-Bäckerei bei Thredbo, um uns dort etwas aufzuwärmen. Im Café war es jedoch fast kühler als draussen, weshalb wir nach dem letzten Bissen wieder aufbrachen. Ein „Schwumm“ im örtlichen Hallenbad sorgte dann aber nicht nur dafür, dass uns endlich warm wurde, sondern dass wir dank einer Dusche (natürlich vor und nach dem Schwimmen), wieder sauber wurden. Anschliessend machten wir uns auf ins Tourismusbüro, wo wir noch die Angelegenheit mit der „Mahnung“ regeln mussten. An unserem Scheibenwischer hing heute Morgen nämlich ein lieber Gruss vom Ranger, in welchem er uns bat, die fällige Nationalpark-Eintrittsgebühr noch zu bezahlen. Wir waren etwas irritiert. Schliesslich hatten wir doch gestern unser Ticket (gültig bis heute Mittag 12.00 Uhr) hinter die Windschutzscheibe geklebt? Dummerweise ist dieses jedoch über Nacht runtergefallen und somit für den Ranger am frühen Morgen nicht sichtbar gewesen. (Lieb von ihm, dass er uns deswegen nicht geweckt hat). Gegen Vorweisen unseres gültigen Eintrittstickets wurde diese „Mahnung“ im Tourismusbüro dann auch problemlos storniert. Und nachdem wir uns entschieden hatten, noch zwei Nächte länger zu bleiben, ist mittlerweile bereits ein neues Ticket fällig geworden, welches wir dann auch gleich dort beziehen und bezahlen konnten. Nachdem dies erledigt war, schlenderten wir ein wenig ziellos durch den Resort bis wir uns in einem Pub etwas Leckeres zu essen bestellten. Das Wetter war zwar mittlerweile wieder etwas freundlicher, doch machte es uns noch nicht wirklich an, eine Wanderung zu unternehmen. Stattdessen liessen wir es uns heute mal wieder so richtig gut gehen und bestellten uns anschliessend noch in einem Café einen schaumigen Cappuccino und ein Stück Schokoladen- bzw. Rüeblitorte. Nach einem weiteren Spaziergang durch den Resort (nun haben wir glaub wirklich alles gesehen), suchten wir uns auf einem weiteren Campingplatz ein freies Plätzchen.

 

Auch die nächste Nacht war bitterkalt. Dank unserer Dieselheizung hatten wir es aber zum Glück wohlig warm in unserem VW-Bus. Trotzdem waren wir froh um die wärmenden Sonnenstrahlen, die uns am Morgen begrüssten. Nach dem Frühstück schnürten wir deshalb endlich unsere Wanderschuhe und stiegen wenig später bei Thredbo in den Sessellift, der uns auf 1'930 m.ü.M. brachte. Von dort ist der Aufstieg (6,5 km) zum höchsten Berg Australiens, dem Mount Kosciuszko, ein Kinderspiel. Als wir uns dem Gipfel näherten, schmunzelten wir über die dick eingepackten Touristen, die uns entgegen kamen. Doch als wir kurz vor dem Gipfel um die letzte Kurve bogen, blies uns ein derart bissig-kalter Wind entgegen, dass auch wir gerne unsere warmen Jacken hervorholten und sogar ein Stirnband bzw. eine Mütze über den Kopf zogen. Oben angekommen suchten wir uns ein möglichst windgeschütztes Plätzchen, wo wir das herrliche Panorama trotz der widrigen Umstände doch noch ein wenig geniessen konnten. Auf dem gleichen Weg gings dann anschliessend wieder zurück zur Bergstation. Jetzt ein Kafi Schnaps in der Gartenbeiz, das wärs. Doch sowas kennen sie hier leider nicht. Und so nahmen wir wieder den Sessellift runter ins Tal, wo wir uns stattdessen – immerhin auf einer Gartenterrasse – bei herrlichem Sonnenschein ein kühles Bier gönnten.

 

Nach einer weiteren eiskalten Nacht auf dem Campingplatz weckte uns am nächsten Morgen erneut Väterchen Frost. Dementsprechend „frisch“ war es deshalb auch in unserem VW-Bus (die Dieselheizung muss wohl irgendwann kapituliert haben). Nach einer - temperaturbedingt - eilig durchgeführten Katzenwäsche im VW-Bus ging es einmal mehr direkt zur Bäckerei in Thredbo, wo wir uns zwei Cappuccino’s und Gipfeli bestellten. Diesmal jedoch als „Take away“, da es in unserem rollenden Zuhause mittlerweile definitiv wärmer war als dort. Unsere nächste Etappe führte uns weiter Richtung Corryong, Tallangatta und Wodonga in den Bundesstaat Victoria. Dabei stoppten wir lediglich bei einem Aussichtspunkt, welcher uns nochmals einen Blick auf den westlichen Hauptgebirgszug (Main Range) gewährte sowie bei Tallangatta, wo wir uns in einem Strassenkaffee – mal wieder – eine Pie bestellten. Wir sind langsam richtig süchtig nach diesen gefüllten Blätterteig-(Fleisch-)Pasteten. Die Stadt Tallangatta wurde übrigens für den Bau des Stausees Lake Hume umgesiedelt. Bei Niedrigwasser könne man sogar noch die Überreste von Strassen und Eisenbahnschienen des alten Tallangatta sehen. Wir konnten diese jedoch nicht entdecken. Trotzdem gab die Landschaft rund um den Stausee ein eindrückliches Bild ab. In Wodonga war es dann wieder mal Zeit, unsere Lebensmittel-Vorräte aufzufüllen, bevor wir uns in Kergunyah am Kiewa Valley Highways auf einem kleinen Campingplatz niederliessen. Einmal mehr ein idyllisches, ruhiges Plätzchen für wenig Geld. Allerdings wurden wir „Opfer“ einer gelebten Tradition (es war halt grad ANZAC-Day) und vom Kanonenofen unserer Nachbarn ausgeräuchert. Ich war drauf und dran, mich bei ihnen für ihre Rücksichtslosigkeit zu beschweren. Doch nach kurzem Abwägen kapitulierten wir jedoch und zogen uns – wohl oder übel - in unseren VW-Bus zurück. An einem nationalen Gedenktag wie diesem müssen wir Touristen halt ein wenig Verständnis aufbringen.

 


Mount Buffalo National Park

 

Auch am nächsten Morgen haben unsere Nachbarn wieder den Ofen eingeheizt. Glücklicherweise konnten wir aber unser Frühstück noch bei klarer und frischer Luft verspeisen und den Platz noch rechtzeitig (und ohne eingeschaltete Nebelscheinwerfer) verlassen. Unsere heutige Route führte uns über Myrtleford auf die Great Alpine Road in Richtung Bright, wobei wir knapp 6 km nördlich gerade noch rechtzeitig in den Mount Buffalo National Park abbiegen konnten. Es wäre ja nicht das erste Mal, dass wir etwas verpassen, weil wir unsere Routen jeweils ziemlich spontan festlegen oder ändern. Diesmal haben wir jedoch Glück gehabt und ich bin noch rechtzeitig auf den entsprechenden Hinweis im Reiseführer gestossen. Der Mount Buffalo National Park, welcher eine mässig hohe Hochebene (bis 1'723 m.ü.M.) im westlichen Teil der victorianischen Alpenregion bildet, sei definitiv einen Besuch wert. Hoffen wir es! Die steile Strasse, die sich in unzähligen Kurven zu dieser Hochebene hinaufwindet, kam uns nämlich endlos lange vor. Oben angekommen begaben wir uns dann als Erstes zum Park Office. Dort trafen wir auf einen äusserst hilfsbereiten und engagierten Ranger, von dem wir unzählige wertvolle Tipps erhielten, die erkennen liessen, dass er den Park in und auswendig kannte und auch liebte. Wir verbrachten den ganzen Tag dort und konnten uns nur schwer von diesen markanten Hügeln und steilen Granitfelsen trennen. Besonders in Erinnerung geblieben ist uns die Wanderung auf den Gipfel "The Horn" der Mount Buffalo Hochebene. Sie dauerte vom Parkplatz aus kaum noch 15 Minuten und war somit für jeden Tourist machbar. Kein Wunder also, dass uns sogar welche in edlen Lackschuhen entgegen kamen. Als wir uns auf den Rückweg machten, war es bereits langsam am Dämmern. Trotzdem wollten wir noch kurz zu den Eurobin Falls. Nach einem kurzen Spaziergang durch den Wald kamen wir an einem kleinen, idyllischen Wasserfall vorbei und standen wenig später vor einer imposanten Felswand, über die ein kleiner dünner Wasserstrahl plätscherte. Wir konnten uns jedoch gut vorstellen, dass es sich hier um einen eindrücklichen Wasserfall handeln könnte, wenn dieser so richtig viel Wasser führen würde. Da wir nicht gerne bei Dunkelheit fahren, ging es kurz darauf auf direktem Weg zu unserem VW-Bus, mit dem wir wenig später in der Ortschaft Porepunkah einen Campingplatz ansteuerten. Als ich auf die Rezeption zulief, kam mir bereits eine Angestellte entgegen, die mich herzlich willkommen hiess, gleichzeitig aber ehrlich darauf hinwies, dass ihnen soeben das Wasser ausgegangen sei. Hätten wir uns nicht so sehr auf eine Dusche gefreut, wären wir auf jeden Fall hier geblieben und hätten damit ihre Ehrlichkeit belohnt. Doch der Wunsch nach einer Dusche war stärker und so zogen wir weiter zur Konkurrenz vis-à-vis. Auch dort wurden wir herzlich begrüsst und an ein lauschiges Plätzchen direkt am Fluss geführt. Allerdings wurde die friedliche Ruhe vorübergehend durch die Inbetriebnahme einer Wasserpumpe auf der anderen Seite des Flusses gestört. Doch wir wussten ja, weshalb dies notwendig war und störten uns deshalb nicht weiter daran.

 


Great Alpine Road

 

Am nächsten Morgen fuhren wir durch das ca. 2000-Einwohner zählende Bright, das mit seinen baumgesäumten, herbstlich gefärbten Alleen für einen „Indian Summer“ mitten in Australien sorgte. Wären wir am Nachmittag hier vorbei gekommen, so hätten wir ganz bestimmt für eine Kaffeepause in einem der netten Cafés Halt gemacht. Stattdessen führte unsere Fahrt weiter entlang der Great Alpine Road (als alpines Pendant zur "Great Ocean Road" an der Küste) durch offenes Land bis Harrietville. Ab hier begann dann der Anstieg (welcher dem Namen „Alpine Road“ definitiv gerecht wurde) bis nach Mount Hotham. Dieser Abschnitt war kurvenreich und steil und sogar mit einigen Haarnadelkurven versehen. Oben angekommen befanden wir uns auf einer Höhe von 1'840 m.ü.M. und damit in einem weiteren Skigebiet Australiens. Zu dieser Jahreszeit waren die beiden Skiresorts Mount Hotham und Dinner Plain jedoch wie ausgestorben. Ab hier ging die Fahrt wiederum kurvenreich und steil bergab bis zum beschaulichen Ort Omeo, einer ehemaligen Goldgräberstadt, die heute bloss noch 300 Einwohner zählt. Dort war es Zeit für eine Mittagspause. Wir setzten uns in ein gemütliches Café und bestellten und etwas zu Essen. Gestärkt ging die Fahrt weiter entlang des Tambo Rivers durch kurvenreiche Strassen, welche uns anschliessend durch grüne Farn- und Eukalyptuswälder und zum Schluss durch flaches Weideland bis nach Bairnsdale führte. Nach einem Stopp im Supermarkt, fuhren wir auf direktem Weg zum nächstgelegenen Campingplatz. Für heute sind wir genug gefahren.

 


Croajingolong National Park

 

Aufgrund unseres Abstechers zum Kosciuszko und Mount Buffalo National Park haben wir einen Grossteil des Küstenabschnittes zwischen Sydney und Melbourne auslassen „müssen“. Man kann halt nicht alles haben. Trotzdem haben wir nach langem Überlegen beschlossen, nochmals bis fast zur Grenze des Bundesstaates New South Wales zurückzufahren. Dabei wählten wir eine Route, die uns entlang der Küste bzw. am Ufer des Lake Kings hinunter in den Ort Lakes Entrance führte. Wie es der Name schon sagt, liegt „der Eingang der Seen“ dort, wo der See eine schmale Verbindung mit dem Meer knüpft. Ein Aussichtspunkt westlich der Stadt gewährte uns einen guten Blick auf die 400 km2 grosse Wasserlandschaft, welche an das Tasmanische Meer grenzt. Nach diesem kurzen Stopp ging es mehrere 100 km weiter auf dem Princes Highway bis nach Cann River. Von dem kleinen Ort, welcher kaum mehr als eine grosse Kreuzung darstellte, wollten wir in den westlichen Teil des Croajingolong National Parks. Wir folgten dem Schild, welches die Richtung zum Point Hicks Leuchtturm anzeigte. Doch Moment mal, hab ich das grad richtig gelesen? 40 km bis dorthin? Na ja, egal, ist ja schliesslich eine asphaltierte Strasse. Als dann aber nach 10 km plötzlich nur noch eine Sandpiste vor uns lag und diese uns aufgrund der zahllosen Wellblechformationen immer wieder heftig durchschüttelte, nahm ich dann doch nochmals unseren Reiseführer zur Hand. Bei der Suche nach der genauen Wegbeschreibung, stiess ich dann noch auf folgenden Hinweis: Einige Strassen innerhalb des Nationalparks sind sandig und erfordern Allradfahrzeuge. Und auch die Strassenkarte zeigte deutlich, dass es nun nur noch auf einer „unbefestigten“ Strasse weitergeht. Na super! Sollen wir nun umkehren oder weiterfahren? Was ist, wenn wir eine Panne haben? Bisher ist uns noch kein anderes Fahrzeug entgegen gekommen und unser Mobilfunknetz hat sich nun auch noch abgemeldet. Mir war nicht ganz wohl bei der Sache. Mittlerweile sind wir jedoch schon soweit gekommen, dass wir nun auch gleich bis ans Ende fahren können. So war diese Tortur dann wenigstens nicht ganz umsonst. Als wir dann endlich am Ziel angekommen waren, stellten wir unseren VW-Bus auf dem Parkplatz direkt hinter dem Strand ab. Nach einem kleinen Mittagssnack (zur Beruhigung der Nerven) begaben wir uns auf einen Spaziergang zum Leuchtturm. Unterwegs kamen wir an mehreren wunderschönen und einsamen Buchten mit kristallklarem Wasser vorbei. Für ein Bad war es uns bei den aktuellen, herbstlichen Temperaturen allerdings mal wieder viel zu kalt. Wir genossen stattdessen die friedliche Ruhe an diesem (fast) einsamen Fleckchen Erde und die Aussicht vom Leuchtturm hinaus auf das weite Meer. Da die Möglichkeit bestand, vorbeiziehende Wale zu sichten, hielten wir auch immer wieder Ausschau nach den riesigen Meeressäugern. Und siehe da, irgendetwas bewegte sich im Wasser. Sind das nicht Flossen? Trotz weit ausgefahrenem Objektiv an unserem Fotoapparat konnten wir jedoch nicht mit Sicherheit sagen, ob es sich dabei auch tatsächlich um einen Wal handelte. Vielleicht war es auch einfach „nur“ ein Seelöwe. Auch wenn wir noch stundenlang an diesem schönen Ort hätten bleiben können, so zogen wir es vor, uns langsam wieder auf den Weg zurück zu machen. Es gab zwar die Möglichkeit, direkt hinter dem Strand in einem Buschcamp zu übernachten, doch war es uns dort irgendwie zu dunkel und zu düster. Wir entschieden uns deshalb, es besser noch vor Einbruch der Dunkelheit wieder zurück bis zum Princes Highway zu schaffen. Wir waren dann auch ziemlich erleichtert, als unser VW-Bus nach knapp 30 km Sand- bzw. Wellblechpiste endlich wieder die asphaltierte Strasse unter seinen Rädern hatte. In Cann River bezogen wir dann gleich Quartier auf einem Campingplatz, der zwar nah am Highway lag, dafür aber äusserst preiswert (weniger als CHF 9.00) und trotzdem mit allem Notwendigen (WC mit Spülung, heisse Duschen) ausgestattet war. Erstaunlicherweise war kaum Verkehr auf dem Highway und nachdem unsere Nachbarn ihren Fernsehabend doch noch nach drinnen verlegt bzw. beendet hatten, stand einem erholsamen Schlaf nichts mehr im Wege.

 


Paynesville & Raymond Island

 

Auf unserer heutigen Etappe ging es auf dem Princes Highway zurück bis nach Bairnsdale und von dort nach Paynesville. Nachdem wir gestern noch mit Andrew (unserem Gastgeber in Auckland) telefoniert hatten, erhielten wir von ihm den Tipp, dass wir auf Raymond Island garantiert Koalas sehen werden. Er hat sogar gemeint, dass diese dort mittlerweile fast zu einer Plage geworden seien, weil sie bereits viele Eukalyptusbäume kahlgefressen hätten. In Paynesville angekommen, parkierten wir unseren VW-Bus und nahmen die Fähre (welche für Fussgänger gratis ist) rüber auf Raymond Island. Eigentlich hätte man die 200 m zwischen Festland und Insel auch schwimmen können, doch beim Anblick der vielen Quallen (wahrscheinlich zwar harmlose) waren wir froh, nicht ins Wasser gehen zu müssen. Als wir uns auf den extra für Koala-Sichtungen angelegten Rundgang begaben, hatten wir bereits nach wenigen 100 m die ersten Koalas in den Bäumen erspäht. Ein unglaubliches Erlebnis. Besonders für mich, da ich noch nie einen Koala in freier Wildbahn gesehen hatte. Ich musste höllisch aufpassen, dass ich nicht plötzlich über eine Wurzel oder sonst was stolperte, da ich ständig nach oben schaute. Wir sahen insgesamt bestimmt mehrere Dutzend Koalas, wobei wir genau so viele wahrscheinlich gar nicht erst entdeckt hatten. Während die meisten einfach nur faul in einer Astgabel herumhingen, blickten ein paar wenige neugierig hinter den Ästen hervor und posierten gekonnt vor unserer Kamera. Ach, ich hätte diese kuscheligen Tierchen am liebsten geknuddelt. Doch erstens hätte ich dazu auf einen Baum klettern müssen und zweitens waren es immer noch wilde Tiere. Nachdem uns die Fähre wieder zurück in den Hafen von Paynesville brachte, steuerten wir auf eine schöne Gartenbeiz direkt am Wasser zu und liessen uns die Menukarte geben. Nicht ganz günstig hier. Wir bestellten uns trotzdem etwas und bereuten es nicht. Warum auch? Ein leckeres Essen mit toller Aussicht in entspannter Atmosphäre, was will man noch mehr. Unsere Reise führte uns anschliessend weiter entlang der Küste, welche durch die riesige Seenplatte der Gippsland Lakes geprägt ist. In der Ortschaft Sale liessen wir uns dann einmal mehr auf einen äusserst preiswerten Campingplatz nieder.

 


Wilsons Promontory National Park

 

Am nächsten Tag fuhren wir – nachdem wir wieder einmal unsere Vorräte aufgefüllt hatten - auf dem Gippsland Highway durch flaches Weideland bis nach Foster und nahmen von dort Kurs auf den Wilsons Promontory National Park. Dieser liegt auf einer Halbinsel an der Südspitze des Bundesstaates Victoria, etwa 160 km südöstlich von Melbourne. Das Gebiet wird zum größten Teil von einem Vorgebirge eingenommen, der großen Region des Wilsons Promontory, die in South Gippsland liegt. Im Wilsons Promontory National Park liegt übrigens bei 39° 08' der südlichste Punkt des australischen Festlandes. Allerdings kann dieser nur auf einer mehrtätigen Wanderung zu Fuss erreicht werden. Soweit wollten wir heute jedoch ohnehin nicht fahren (und schon gar nicht wandern) und bezogen stattdessen Quartier auf einem Campingplatz im angrenzenden Corner Inlet Conservation Reserve. Dort stiessen wir auf einen sehr engagierten und hilfsbereiten Ranger, der uns nicht nur einen Übersichtsplan des Nationalparks gab, sondern uns noch mit wertvollen Infos zu den schönsten Plätzen und zur Tierwelt eindeckte. Aufgrund des regnerischen Wetters verbrachten wir den verbleibenden Nachmittag dann allerdings faulenzend in unserem VW-Bus. Erst ein doppelter Regenbogen am Himmel vermochte uns raus zu locken.

 

Am nächsten Morgen erwartete uns dann ein strahlend schöner Tag und so konnten wir es kaum erwarten, die angekündigte Vielfalt des „Wilsons Prom“ zu entdecken. Bereits kurz nach der Einfahrt in den Nationalpark konnten wir auf einer offenen Grasfläche zahlreichen Kängurus sowie zwei Emus beim Grasen zuschauen. Damit hätten wir jetzt nicht gerechnet. Schliesslich hatte uns der Ranger gesagt, dass dort erst abends kurz nach Einsetzen der Dämmerung die beste Zeit für Tierbeobachtungen sei. Wir fuhren anschliessend weiter bis zum Visitor Center, wo sich auch ein grosser Campingplatz befindet und informierten uns über dessen Preis. Wir staunten nicht schlecht: Für eine Nacht bezahlt man dort doppelt so viel wie auf jenem, auf dem wir die letzte Nacht verbracht hatten. Wir liefen kurz durch einen Teil des Campingplatzes, um uns ein Bild zu machen, entschieden uns dann aber für eine weitere Nacht auf dem Campingplatz von gestern. Nachdem wir uns telefonisch beim Ranger ein Plätzchen reserviert hatten, schnürten wir die Wanderschuhe und „bestiegen“ den Mount Oberon. Der Weg hinauf zum Gipfel führte uns durch einen dichten Wald, bei dem die Folgen des Buschfeuers von 2006 noch deutlich an den „angeschmürzelten“ Stämmen und Ästen sichtbar waren. Oben auf 558 m.ü.M. angekommen, bot sich uns eine traumhafte Aussicht auf die wunderschönen Strände und Buchten. Kein Wunder, dass wir diese – sobald wir wieder unten angekommen waren – auch noch aus der Nähe auf uns wirken lassen wollten. Ein Traum! Etwa so stell ich mir die Karibik vor. Auch wenn es hier zum Baden – zumindest für uns – einmal mehr viel zu kalt war. Wohl aber gerade deswegen hatten wir die Strände fast für uns alleine, da es zu dieser Jahreszeit allgemein nicht mehr so viele Touristen in dieser Gegend hat. Nachdem wir uns eine ausgiebige Mittagspause an einem der Strände gegönnt hatten, ging es dann nochmals auf eine Wanderung von Darby Saddle bis zur Fairy Cove. Auch hier begegneten wir nur einer Handvoll Menschen und so genossen wir einmal mehr die Ruhe und die wunderbare Aussicht. Schade nur, dass wir auch hier wieder den gleichen Weg zurücklaufen mussten. Als wir wieder beim Parkplatz angekommen waren, machten wir uns gleich auf den Rückweg, um noch vor Einsetzen der Dunkelheit wieder bei dieser offenen Grasfläche zu sein, wo wir bereits heute Morgen Tiere sehen konnten. Dort angekommen, konnten wir jedoch lediglich ein paar wenige Kängurus erkennen. Wir hofften deshalb, dass wir auf dem markierten Wildlife-Walk endlich ein paar Wombats sehen. Der Ranger hatte schliesslich erwähnt, dass wir bestimmt jede Menge Kängurus, Emus und auch Wombats sehen werden. Kängurus und Emus waren tatsächlich zahlreich vorhanden und zeigten keinerlei Scheu vor uns. Dies lag wohl auch daran, dass viele Kängurus (zu Studienzwecken) Erkennungsmarken um den Hals trugen und somit an den Menschen gewöhnt waren. Die Wombats hingegen schafften es wieder einmal, sich erfolgreich vor uns zu verstecken. Lediglich die zahlreichen Exkremente in Würfelform liessen darauf hinweisen, dass es hier Wombats haben müsste. Jä nu... ein ander Mal vielleicht!

 


„Little Great Ocean Road“

 

Bevor es heute Morgen weiter ging in Richtung Melbourne, mussten wir noch beim Ranger unsere „Schulden“ für die letzte Nacht begleichen. Nachdem wir ihn gestern telefonisch darüber informierten, dass wir erst nach 18.00 Uhr ankommen würden, hat er uns freundlicherweise einen Batch gelegt, damit wir die Barriere zum Campingplatz öffnen konnten. Wir waren wirklich begeistert über sein Engagement und so überraschte es uns auch nicht, als er bei der Abreise auch gleich noch einen Routenvorschlag für unsere Weiterfahrt mit auf den Weg gab. Wir sollten zwischen Inverloch und Wonthaggi unbedingt entlang der Bunurong-Küste und nicht auf dem langweiligen Highway fahren. Auch wenn das Wetter grad nicht so toll ist, lohne sich diese Strecke, welche nicht ohne Grund „Little Great Ocean Road“ genannt wird. Er hatte wirklich nicht zu viel versprochen. Die Strecke war aufgrund dieser markanten Klippen trotz des tristen, regnerischen Wetters bestimmt spannender als der Highway. Allerdings hatte uns der stürmische Wind jeweils beinahe weggeblasen, weshalb wir uns nicht allzu lange bei den Aussichtspunkten aufhielten, sondern schnell wieder in unseren trockenen und beheizten VW-Bus stiegen. Während der Fahrt überlegten wir uns, wie weit unsere heutige Reise eigentlich gehen soll und so entschieden wir uns wenig später spontan zu einem Abstecher auf Phillip Island. 

 


Phillip Island

 

Vielen ist diese kleine Insel (22 km lang, 8 km breit) womöglich wegen der bekannten „Penguin Parade“ ein Begriff. In der Summerland Bay, an der Südküste der Insel, befindet sich das Gelände, welches für das allabendliche Spektakel zum Sonnenuntergang hermetisch abgeriegelt wird. Tinu hatte diesen „Event“ während seines Australien-Aufenthalts 2008 aus nächster Nähe miterlebt. Schon damals war es offenbar eine grosse Touristenattraktion, deren Beliebtheit in den letzten 8 Jahren sicherlich noch um ein Vielfaches zugenommen hatte. Wie wir nämlich im Visitor Center erfuhren, gibt es mittlerweile pro Abend bis zu 1000 Zuschauer. Spätestens nach dieser Information war für mich klar, dass dieser touristische Massenevent definitiv nichts für mich ist. Klar wäre es schön gewesen, diesen Zwergpinguinen dabei zuzuschauen, wie sie nach einem anstrengenden Tag im Meer zu ihren Nestern über den Strand watscheln, doch nicht im Rahmen einer solch kommerziellen Veranstaltung. Es wurde zwar betont, dass sich die putzigen Tierchen angeblich überhaupt nicht von den vielen Zuschauern gestört fühlten. So richtig glauben konnte ich dies allerdings nicht. Stattdessen erkundeten wir weiter die Insel und ihre „kostenlosen“ Naturschönheiten. So zum Beispiel "The Nobbies" am westlichen Zipfel der Insel, wo der Wind die Wellen mit voller Wucht an die Klippen peitschte und wir die pure Natur (inkl. bissigem Wind und Nieselregen) intensiv erleben konnten. An der Nordküste liessen wir uns dann im Hauptort Cowes auf einem Campingplatz nieder und wagten uns trotz kühlen Temperaturen nochmals raus, um uns ein gemütliches Restaurant zu suchen. Je näher wir dem Ortszentrum kamen, desto mehr asiatische Touristen liefen uns über den Weg. Auf den Car-Parkplätzen standen dann auch schon ein paar Touristen-Busse bereit. Offensichtlich ist dieser Stopp nach der Pinguin-Parade bei den Car-Unternehmen fix eingeplant, bevor es wieder zurück nach Melbourne geht. So erstaunt es auch nicht, dass nebst den zahlreichen asiatischen Restaurants, auch beim Kebab-Imbiss und Fisch-Stand ein Asiate hinter der Theke stand. Wir waren aber sowieso auf der Suche nach etwas anderem und gönnten uns stattdessen in einem authentisch italienisches Restaurant (in dem das Personal auch tatsächlich italienischer Abstammung war) mal wieder eine leckere Pizza.

 


Tasmanien – Ja oder Nein?

 

Als wir uns am nächsten Tag wieder auf den Weg Richtung Melbourne City machten, hielten wir vorher noch kurz beim Fährhafen an, um uns bei „Spirt of Tasmania“ nach möglichen Fahrten rüber auf die Insel Tasmanien (und auch wieder zurück) zu erkundigen. Auf der Website wurden uns zwar zeitnahe Abreisetermine nach Tasmanien angezeigt, jedoch keine für die Rückreise. Wie sich im Gespräch mit den Damen am Infoschalter herausstellte, sind die Rückreisetermine in den nächsten Wochen ziemlich ausgebucht, da viele aufgrund der kommenden kühlen Wintersaison von der Insel „fliehen“. Wir überlegten anschliessend lange hin und her und fragten uns, ob es sich zu dieser Jahreszeit überhaupt noch lohnt nach Tasmanien rüber zu fahren. Schliesslich ist die beste Reisezeit für Tasmanien von Dezember bis März und wir haben nun bereits Mai. Doch wenn nicht jetzt, wann dann? Es ist eher unwahrscheinlich, dass wir in ein paar Monaten nochmals bis nach Melbourne kommen. Und Tasmanien würde uns halt schon noch interessieren. Wir schauten deshalb abermals im Internet nach und fanden dann auch tatsächlich noch ein passendes Angebot. Wir buchten dieses, bevor sich der Preis wieder ändert und steuerten als Nächstes einen Campingplatz nahe dem Stadtzentrum von Melbourne an.


Melbourne

 

Die drei Tage die wir dann schlussendlich in Melbourne verbrachten, gestalteten sich ähnlich wie jene in Sydney. Wir liessen uns mit einem öffentlichen Bus ins Zentrum bringen und erkundigten von dort jeweils die zahlreichen Ecken und Sehenswürdigkeiten zu Fuss. Hin und wieder gönnten wir uns auch mal ein Essen auswärts und ein Bierchen in einem gemütlichen Pub oder wenn es die Temperaturen zuliessen (oder ein „Wärmepilz“ vorhanden war) auch mal in einer Gartenbeiz. Wäre noch spannend, diese Stadt zur Sommerzeit zu erleben. Immerhin regnete es nicht. Allerdings blies uns immer wieder mal ein kalter Wind um die Ohren. Und da es mir dabei auch immer wieder meine Haare ins Gesicht wehte und ich mich langsam aber sicher darüber ärgerte, fasste ich einen folgenschweren Entschluss: Die Haare müssen ab! Wer jetzt lacht und denkt: „Jaja, dänk ä chli go d Spitze schniede!“, täuscht sich gewaltig. Auch Tinu glaubte bis am Schluss nicht daran, dass ich tatsächlich den Mut aufbringe, mich von meiner blonden Mähne zu trennen, aber ich zogs durch. Wenn die Schere einmal ihren Weg quer durch die Haarpracht gefunden hat, gibt’s schliesslich auch kein Zurück mehr. Leider. Ehrlich gesagt hätte ich heulen können, als ich das fertige Ergebnis sah. Nass sah die Frisur ja noch ganz passabel aus. Doch sobald die Haare trocken waren, erinnerte mich mein Spiegelbild an eine Dame um die sechzig. Versteht mich bitte nicht falsch. Es gibt natürlich sehr wohl attraktiv aussehende 60-jährige! Aber nicht mit dieser langweiligen Frisur! Ich versuchte durch Anweisungen an den Frisör noch zu retten, was zu retten war. Doch spätestens als ich Tinus Reaktion gesehen habe (Worte waren nicht nötig), wusste ich, dass uns dies nicht wirklich gelungen ist. Ja nu, Haare wachsen ja bekanntlich wieder. ;) An dieser Stelle muss ich der Vollständigkeit halber natürlich noch erwähnen, dass auch Tinu an diesem Tag seine Härchen gestutzt hatte. Da dies nun aber eher unter das Kapitel „Spitzen schneiden“ geht, werde ich seinen Frisörbesuch nun nicht näher dokumentieren. Nur so viel: Er hat nichts von seiner altbekannten Schönheit eingebüsst! ;)

 


Brighton – Port Melbourne

 

Bevor es am 5. Mai mit der Nachtfähre rüber nach Tasmanien (welches von den Australiern liebevoll „Tassie“ genannt wird) ging, machten wir noch einen kurzen Abstecher in den Stadtteil Brighton. Dieser hat den Ruf einer der reichsten Stadtteile in Melbourne zu sein und hat eine äußerst hohe Lebensqualität, da er nicht weit vom Zentrum (ca. 12 km) und direkt am Strand liegt. Angesichts der vielen grosszügigen Villen, die wir dort gesehen haben, dürfte dies wohl stimmen. Wir spazierten zu den farbenfrohen Strandhütten und schmunzelten über gestressten Touristen, die mit Bussen für einen kurzen Fotostopp herangekarrt wurden. Gegen Mittag zogen wir dann weiter in die Nähe des Fährhafens, wo wir uns die Zeit entlang der geschäftigen Bay Street und der mit palmengesäumten Uferpromenade vertrieben. Natürlich nicht ohne uns zwischendurch einen Cappuccino, eine Portion Fish & Chips oder ein leckeres Stück Kuchen zu gönnen. Eine willkommene Abwechslung zu den übrig gebliebenen Frucht- und Gemüsevorräte, die wir noch verputzen wollten bzw. sollten, bevor es auf die Fähre ging. Aufgrund der geltenden Quarantänevorschriften, durften wir diese Lebensmittel nämlich nicht mit an Bord nehmen. Gegen 17.00 Uhr war es dann soweit und wir konnten uns mit den anderen Fahrzeugen in die Schlange stellen: Tassie, wir kommen!