19.05.2016 – 28.05.2016

 

Auf dem Surf Coast Highway nach Anglesea

 

Auch wenn wir es eigentlich kaum erwarten konnten, endlich auf der weltbekannten Great Ocean Road unterwegs zu sein, schalteten wir wetterbedingt (auch hier war es bewölkt und regnerisch) einen Gang runter. Schliesslich wollten wir diesen sagenumworbenen Küstenabschnitt in bestem Licht sehen. In der Surferstadt Torquai legten wir deshalb einen Halt ein. Das mit dem Wellenreiten liessen wir dann aber bleiben und stöberten stattdessen in den zahlreichen Surfhops herum. So richtig in Shoppinglaune kamen wir bei diesem trübem Wetter jedoch nicht und so setzen wir uns schon nach kurzer Zeit in eine Café-Bar, wo wir uns - umgeben von bärtigen Hipstern und sportlichen Surfergirls - eine weitere Dosis Koffein verabreichten. Bei einem schaumigen Cappuccino studierten wir den Wetterbericht für die nächsten Tage (trüb, regnerisch) und konsultierten einmal mehr unsere Camper-App. Die Wahl für unser heutiges Nachtlager fiel auf einen Platz im Küstenort Anglesea. Vorher stoppten wir jedoch noch in einem Supermarkt, um uns mit frischen Lebensmitteln einzudecken. Als wir beim Campingplatz ankamen, befanden sich dort lediglich eine Handvoll Wohnmobile. Es war offensichtlich, dass wir uns hier im Süden zu dieser Jahreszeit (Mai = australischer Herbst) in einer Nebensaison befanden. Bei der Rezeption wurden wir aber trotzdem (oder gerade deshalb) herzlichst in Empfang genommen. Da wir heute nicht so viele Kilometer zurückgelegt hatten und auch das Solarpanel (aufgrund mangelnden Sonnenscheins) nicht wirklich viel Energie umsetzen konnte, entschieden wir uns für einen Platz mit Strom. Zum Glück! Als Tinu nämlich den Zündschlüssel drehte, erlebten wir ein unangenehmes Déjà-vu. Unser VW-Bus bockte erneut! Glücklicherweise befand sich das Rezeptionsgebäude diesmal auf einer leichten Anhöhe. So konnten wir einfach nur die Bremse lösen und zum nächstgelegenen Platz rollen. Dies war zwar nicht der, der uns zugeteilt wurde, doch das störte weder uns noch die nette Dame an der Rezeption. Das eigentliche Problem war damit aber noch nicht gelöst. Während ich mich hinter den Laptop setzte, holte Tinu sein Werkzeug hervor und versuchte der Ursache auf den Grund zu gehen. Er tippte auf eine Art Wackelkontakt, weshalb er die betroffenen Stellen erstmal gründlich reinigte. Um jedoch wirklich sicher zu gehen, dass es sich nicht doch um etwas anderes handeln könnte, kontaktierte er dann aber noch Christoph, den Mechaniker unseres Vertrauens in der Schweiz. Per WhatsApp-Chat und Telefonkonferenz eliminierten die beiden nach dem Ausschlussverfahren eine Variante nach der anderen. Schlussendlich konnte sich jedoch auch Christoph keinen anderen Reim darauf bilden, als dass wohl tatsächlich ein Wackelkontakt der Grund für die Störung war. Nach getaner Arbeit trotzten wir Wind und Wetter und begaben uns mit Regenjacke ausgerüstet auf einen Spaziergang durch das kleine, überschaubare Städtchen und beobachteten am Strand ein paar Surfer, die sich gekonnt (oder auch weniger) in die Fluten stürzten. In einem kleinen gemütlichen Café, welches auch gleich einen Tante Emma Laden beherbergte, kehrten wir ein und bestellten uns eine Kleinigkeit zu essen. Das trübe Wetter drückte langsam aber sicher auf die Stimmung. Das ist definitiv nicht Australien, wie ich es mir vorgestellt hatte! Ich erinnerte mich daran, wie viele zu mir sagten, dass Australien wegen der grossen Hitze nichts für sie wäre. Pha, dass ich nicht lache! Wieder zurück auf dem Campingplatz nutzten wir - passend zu diesem Regentag - das Angebot der kostenlosen DVD-Auseihe. Da Tinu mir die Wahl überliess, schauten wir uns am Abend zuerst den Film „Last Cab to Darwin“ (welcher uns glatt zu einer neuen Reiseroute inspirierte) und anschliessend noch „Dein Weg - Vom Suchen und Finden auf dem Jakobsweg“. Vom zweiten Film hat Tinu dann allerdings nicht mehr viel mitbekommen...

 


Ein Traum wird wahr: Mit dem VW-Bus auf der Great Ocean Road

 

Die Great Ocean Road ist eine 243 km lange Strasse, die im Bundesstaat Victoria zwischen Torquay und Allansford entlang der Küste verläuft. Als wir bei Fairhaven das „Eintrittstor“ der Great Ocean Road erreichten, musste dieses Ereignis selbstverständlich fotografisch festgehalten werden. Schliesslich ging damit ein lang gehegter Traum in Erfüllung: Mit dem VW-Bus auf der Great Ocean Road! Westlich von Apollo Bay verliess die Great Ocean Road die Küste und führte landeinwärts durch den Great-Otway-Nationalpark, welcher von gemäßigten Regenwälder geprägt ist. Von Lavers Hill, dem höchstgelegenen Dorf der Great Ocean Road ging es anschliessend wieder kurvenreich zurück zur Küste. Vor uns reihte sich ein grosser Mietcamper an den nächsten, wobei keiner auch nur auf die Idee gekommen wäre, mal links ranzufahren, um die anderen Fahrzeuge vorbei zu lassen. Gut, dass wir so viel Zeit mit im Gepäck haben und entspannt darüber schmunzeln konnten. Kurz nach Princetown erreichten wir dann wieder die Küste und damit das, wofür die Great Ocean Road eigentlich bekannt ist: Bizarr geformten Steilklippen und markanten Felsformationen. Bei „Gibsons Steps“ führte uns eine steile Treppe hinunter zum Strand, wobei man sich vorher unbedingt über die Zeiten von Flut und Ebbe orientieren sollte, bevor man sich auf einen Strandspaziergang begibt. Wir hatten nämlich Geschichten gehört, bei denen es Touristen nicht mehr rechtzeitig geschafft hatten, den Strand zu verlassen und mitsamt ihren iPhones, Kameras und iPads von der Flut unter Wasser gesetzt wurden. Als nächstes Highlight folgten dann endlich die „Twelve Apostles“, die gigantisch bis zu 60 m aus dem Ozean stachen und von Wind und Wellen umpeitscht wurden. Drei davon sind im Sommer 2005 bzw. September 2009 unter diesem Einfluss bereits eingestürzt. Die lange Formation aus den verbliebenen "Aposteln" hat damit aber nichts an Attraktivität eingebüsst und so fotografierten auch wir dieses Sujet etliche Male, bevor wir anschliessend noch ein paar Kilometer weiter westlich zum „Thunder Cave“ fuhren. Dort hat sich die raue Brandung einen tiefen, unterirdischen Gang durch das Felsgestein gebahnt. Wir beobachteten staunend die enorme Kraft des Wassers, das sich jeweils in weissen Schaum verwandelt, nachdem es auf die Felsen prallte und den Gang mit Wasser füllte. Rechtzeitig zum Sonnenuntergang fuhren wir noch einmal zurück zu den „Twelve Apostles“, um diese nochmals in einem anderen Licht zu sehen. Leider war der Himmel etwas überzogen, sodass die Sicht ein bisschen getrübt war. Dennoch war die Stimmung wunderschön, auch wenn wir diesen Moment aufgrund der vielen Touristen nicht ganz für uns alleine hatten. Nachdem die Sonne im Meer versunken war, machten wir uns auf den Weg nach Port Campbell, wo wir die heutige Nacht verbringen würden. Wir hatten uns für einen günstigen Campingplatz (weniger als CHF 10.-) entschieden, welcher die Gemeinde erst vor kurzem fertiggestellt hatte. Als wir dort auf diesem Hügel etwas ausserhalb der beschaulich kleinen Hafenstadt ankamen, hatten wir allerdings grosse Mühe eine ebene Fläche zu finden. Die Tatsache, dass es mittlerweile auch schon dunkel geworden war, machte es auch nicht gerade einfacher. Nachdem wir ein paar Mal erfolglos auf dem Gelände herumgekurvt sind, wurden wir dann doch noch fündig. Auch wenn wir schlussendlich nicht ganz gerade standen. Nebst unserem VW-Bus hatten sich lediglich drei weitere Fahrzeuge auf diesen Campingplatz "verirrt": Ein "Wicked"-Auto mit Dachzelt, ein Backpacker-Van sowie ein Mietcamper. Draussen war es bereits ziemlich kalt, weshalb wir uns entschieden, unser Abendessen (Kartoffelsalat und heisses Schinkli) drinnen im warmen Bus zu verspeisen. Warm eingepackt gingen wir schlussendlich dann doch noch runter zur Outdoor-Camping-Küche, um unser Geschirr abzuwaschen. Dabei kamen wir mit einem Pärchen aus Los Angeles (Backpacker-Van) und einem Geschwisterpaar aus Holland ("Wicked-Auto mit Dachzelt) ins Gespräch. Bei Bier und Rotwein verbrachten wir einen lustigen Abend, der noch viel länger hätte dauern können, wenn es denn nicht so kalt gewesen wäre. So mussten wir uns leider viel zu früh von den kalten Temperaturen geschlagen geben und uns in unsere warmen „Gemächer“ zurückziehen.

 


The Twelve Apostles zum Dritten

 

Am nächsten Morgen fuhren wir noch einmal zurück zu den „Twelve Apostles“, um diese auch noch in der Morgensonne gesehen haben. Na wenn schon, denn schon! ;) Anschliessend ging es dann weiter zu den nächsten Sehenswürdigkeiten ("The Razorback", "Pudding Rock") bei der „Loch Ard Gorge“, einer durch Erosionsprozesse entstandene Schlucht mit Sandstrand und kristallklarem Wasser. Auf einem Rundweg konnten wir dank den angebrachten Infotafeln viel Interessantes über diese Gegend lesen. So galt der 120 km lange Küstenabschnitt zwischen Port Fairy (etwa 40 km nördlich von Allansford) und Cape Otway (etwa 100 km nördlich von Torquay) in Zeiten der Segelschifffahrt als gefährliche Passage. In 40 Jahren strandeten hier über 80 Schiffe. Das bekannteste davon war der britische Dreimaster „Loch Ard“, welcher 1878 im Nebel auf Grund lief. Von den 55 Passagieren überlebten lediglich zwei: Tom, ein 18-jähriger irischer Schiffsjunge und Eva, eine ebenfalls 18-jährige Irin, die mit ihrer Familie in Australien einwandern wollte. Etwas ausserhalb des Rundweges befindet sich ein historischer Friedhof, auf dem viele der getöteten Personen beerdigt sind. Angeblich wurden die beiden der Küste vorgelagerten Kalksteinpfeiler, welche im Juni 2009 nach dem Einsturz des Torbogens „Island Archway“ im Meer stehen geblieben sind, nach den beiden Überlebenden der Schiffskatastrophe (Tom und Eva) benannt. Mit den weiteren Sehenswürdigkeiten „The Arch“ (ein wunderschöner natürlicher Felstorbogen), „London Arch“ (früher noch „London Bridge“, bevor die innere Brückenverbindung zum Festland 1990 unerwartete eingestürzt war) und „The Grotto“ (ein Gesteinsdurchbruch, dessen natürliches Gebilde an eine Grotte erinnert) ging es dann Schlag auf Schlag weiter. Diese vielen, wunderbaren Eindrücke einer einzigartigen Gegend mussten erst einmal verarbeitet werden. Und so entschieden wir uns, den verbleibenden Nachmittag auf einem Campingplatz bei Peterborough ausklingen zu lassen.

 


Sind das Wale?

 

Bevor wir am nächsten Morgen die Küste verliessen, stoppten wir noch bei diversen Lookouts in der Bay of Island. Auch dieser Abschnitt entlang der Shipwreck Coast war mit seinen Felsformationen und der Bay of Martyrs absolut sehenswert. Von hier führte uns die Great Ocean Road in den 25’000-Einwohner-Ort Warrnambool. Dort wollten wir eigentlich lediglich mal wieder in einem Supermarkt unsere Lebensmittel aufstocken. Als ich dann aber im Reiseführer gelesen hatte, dass von Mai bis August zahlreiche Glattwale im flachen Wasser vor Logan’s Beach ihre Kälber zur Welt bringen, war für mich klar, dass wir hier etwas mehr Zeit verbringen sollten. Somit verlegten wir unsere Mittagspause  – trotz des trüben Wetters – kurzerhand an den Aussichtspunkt am Ende der Logan’s Beach Road, um nach Walen Ausschau zu halten. Je länger wir jedoch aufs Meer hinausschauten, desto mehr bildeten wir uns ein, tatsächlich irgendwelche Wale zu sehen. In Wahrheit konnten wir jedoch ausser ein paar Dutzend Surfern keine weiteren Säugetiere im Wasser ausfindig machen. Von Warrnambool ging es deshalb weiter über Port Fairy und von dort auf dem Princes Highway bis nach Narrawong. Wir entschieden spontan, uns auf dem idyllisch im Grünen gelegenen Campingplatz niederzulassen. Als dann sogar ein bisschen die Sonne durch die grauen Wolken drückte, holten wir schnell unsere Liegestühle hervor und beobachteten die Enten auf dem ruhig fliessenden Surrey River direkt vor unserem Platz. Doch schon eine knappe Stunde später musste sich die Sonne wieder vom Regen geschlagen geben. Und so machten wir es uns im Bus gemütlich und verbrachten den restlichen Nachmittag mit Lesen. Als uns dann gegen Abend doch langsam die Decke auf den Kopf fiel, entschieden wir uns, das Abendessen nicht hier im Bus sondern in der Campingküche zuzubereiten. Bewaffnet mit Regenschirm und allem, was wir für unser Abendessen benötigten, machen wir uns auf den Weg in die Küche, die sich in einer überdachten und beheizten Wellblechhütte befand. Dort angekommen wurden wir laut aber herzlich von einem Dutzend Rentnern begrüsst, die sich – wie wir im Laufe des Abends erfuhren jedes Jahr zur gleichen Zeit auf diesem Campingplatz treffen. Eine lustige Truppe, die uns sofort ein paar übrig gebliebene Würste angeboten hatte. Da wir allerdings mit dem Verzehr unseres Rindfleisch nicht noch einen weiteren Tag warten konnten, mussten wir das Angebot jedoch dankend ablehnen. Während wir uns an die Zubereitung unseres Rinds-Stroganoff mit Polenta machten, wurden wir immer wieder in ein Gespräch verwickelt. Selbstverständlich erhielten wir auch allerhand Hinweise, was wir in Australien unbedingt sehen müssen und was wir getrost auslassen können. Allerdings waren sich die Herrschaften dabei nicht immer ganz einig...

 


Abstecher zum Cape Bridgewater

 

Während es den ganzen Abend (und wohl auch die ganze Nacht) geregnet hatte, war es umso erfreulicher, dass wir für den Toilettengang am nächsten Morgen keinen Regenschutz benötigten. Nach dem üblichen Morgenprogramm machten wir uns auf in Richtung Portland. Beim Verlassen des Campingplatzes bemerkten wir die beachtlich angestiegenen Wasserpegel der umliegenden Flüsse. Nicht mehr viel und die Strassen wären geflutet gewesen. Als wir mit Portland die ältesten Stadt Victorias erreichten, regnete es bereits wieder. Trotz des trüben Wetters begaben wir uns etwa 30 km weiter westlich auf einer Stichstrasse zum Cape Bridgewater. Vom Parkplatz aus, welcher sich direkt unterhalb eines Windparks befand, steuerten wir auf eine Aussichtplattform zu, von der man beste Sicht auf ein Blowhole hat. Ganz so beeindruckend war dieses am heutigen Tage zwar nicht (wir haben halt auch schon Eindrücklichere gesehen). Dennoch staunten wir einmal darüber, mit welcher Kraft das Wasser an die Felsen gepeitscht wird. Nachdem wir genug Salzwasser abbekommen hatten, begaben wir uns entlang der Küste auf einen Rundweg. Dieser führte entlang der bis zu 120 m hohen Klippen auch noch durch einen versteinerten Wald ("petrified Forrest"). Es gibt mehrere Theorien, wie dieser entstanden sein könnte. Eine davon ist, dass der Wald einst von einer großen Sanddüne verschüttet wurde. Das Wasser, welches durch den Sand sickerte, formte dann rund um die Stämme eine Kruste aus Sandstein, wodurch sich der Durchmesser vergrößerte. Eine beeindruckende Landschaft, auch wenn von diesen Stämmen (aufgrund von rücksichtlosen Sammlern und/oder Touristen?) mittlerweile nicht mehr viel übrig geblieben ist.

 


Unterwegs in den Grampians National Park

 

Noch am gleichen Tag machten wir uns auf in den Grampians National Park. Bevor wir jedoch in den National Park hineinfuhren, wollten wir uns vorher noch im Visitor Center in der Ortschaft Dunkelnd darüber schlau machen. Wir erhielten dort zwar einen brauchbaren Übersichtsplan, jedoch keine weiteren detaillierten Auskünfte zu den einzelnen Aussichtspunkten, Wanderwegen und Campingplätzen. Bezüglich der Wahl unsers Nachtlagers musste deshalb einmal mehr unsere Camper-App „WikiCamps“ herhalten. Nachdem wir uns für einen Camingplatz entschieden hatten, kauften wir uns im Ort noch schnell ein knuspriges Brot in einer Holzofen-Bäckerei, auf welche wir ebenfalls dank der Camper-App aufmerksam gemacht wurden. Anschliessend fuhren wir weiter in Richtung Halls Gap. Schon aus der Ferne konnten wir ab und zu durch die Wolken die zerklüftete Felslandschaft aus rotem Sandstein erkennen. Wie aus unserem Reiseführer hervorgeht, sind diese vor rund 400 Millionen Jahren durch Erdverschiebungen entstanden. Das „Grampians“-Gebirge (benannt nach dem gleichnamigen schottischen Hochland) bilden damit das westliche Ende der Great Dividing Range. Etwa 10 km vor unserem Campingplatz hätten wir eine Abzweigung hinauf zum 1'168 m hohen Mount William nehmen können. Wir liessen dies jedoch bleiben, da wir bei diesem trüben Wetter sowieso nichts von der Aussicht gehabt hätten. Während der Fahrt mussten wir übrigens höllisch aufpassen, dass wir kein Känguru erwischen. Immer wieder tauchte eines am Strassenrand auf oder hüpfte wenige Meter vor uns über die Strasse. Ein fast noch gefährlicheres Verkehrshindernis war dann allerdings ein Mietcamper, der mitten auf der Fahrbahn stand. Da er die Warnblinker eingeschaltet hatte, dachten wir zuerst an eine Panne. Wie sich dann aber schnell herausstellte, handelte es sich lediglich um einen Fotostopp. Das asiatische Pärchen hatte sich ein totes Känguru am Strassenrand als Sujet ausgesucht. Wir waren froh, als wir unseren Campingplatz schlussendlich unbeschadet erreicht hatten. Beim Einchecken an der Rezeption, erlebte ich dann noch eine Überraschung. Die Dame, welche den Campingplatz zusammen mit ihrer Familie führt, gewährte uns einen unerwarteten Rabatt. Dies, weil sie so glücklich darüber war, dass sie am Vortrag erfolgreich am ersten Lauf ihres Lebens teilgenommen hatte. Sehr sympathisch! :) Als wir uns wenig später auf unserem Plätzchen am Einrichten waren, bemerkten wir auf der riesigen Wiese vor uns plötzlich unzählige Kängurus sowie Dutzende weisse Gelbhaubenkakadus. Was für ein Anblick! Ich dachte noch, dass das asiatische Pärchen von vorhin besser auch hierher gekommen wäre, als die beiden just in dem Moment mit ihrem Mietcamper angefahren kamen. Was dann folgte, war ein Schauspiel ohne Gleichen. Obwohl man von der Campingplatzleitung ausführlich darüber informiert wird, dass man die wilden Tiere auf keinen Fall füttern sollte, holte der Asiate sein Toastbrot hervor. Im Nu war von ihm nichts mehr zu sehen. Begleitet von lautem Krächzen flogen Dutzende Kakadus im wahrsten Sinne auf ihn bzw. sein Toastbrot. Ich konnte mir ein Lachen nicht verkneifen. Das hat er nun davon! Wer nicht hören will, muss halt fühlen... ;)

 


Auf Entdeckungstour im Grampians National Park

 

Leider waren es auch heute einmal mehr nicht wärmende Sonnenstrahlen, die uns weckten, sondern das Krächzen der Kakadus. Ich machte bereits wieder den Asiaten dafür verantwortlich. Als ich jedoch hinter dem Vorhang hervorlugte, sah ich keinen Asiaten sondern ein Känguru, das direkt vor unserem VW-Bus am Grasen war. Auch als ich mich auf den Weg zur Toilette machte, liess sich dieses (und die anderen sechs Kängurus) nicht aus der Ruhe bringen. Ein herrliches Gefühl, inmitten dieser lebhaften Natur seinen Tag zu starten. Als nach dem Frühstück am Himmel immer mehr blaue Stellen auszumachen waren, entschieden wir uns, heut doch noch zum höchsten Berg des Nationalparks, dem Mount William zurückzufahren. Eine asphaltierte Strasse führte uns fast bis zum Gipfel hoch. Die letzten zwei Kilometer mussten wir dann aber doch noch zu Fuss in Angriff nehmen, da eine Schranke die Weiterfahrt verhinderte. Die Wanderschuhe hätte es dafür jedoch nicht gebraucht. Der „Wanderweg“ führte uns nämlich weiter entlang der asphaltierten Strasse. Oben angekommen erwartete uns dann auch nicht etwa ein idyllisches Gipfel-Beizli sondern das hässliche Beton-Gebäude einer Wetterstation. Passend dazu blies uns dann auch ein bissig kalter Wind um die Ohren. Und als wäre dies nicht genug, raubten uns vorbeiziehende Nebelschwaden immer wieder die Sicht auf die zerklüftete Felslandschaft der „Grampians“ sowie das weitgehend flache Umland. Als sich auch nach einer halben Stunde geduldigen Ausharrens der Nebel immer noch nicht vollständig auflösen wollte, gaben wir es schlussendlich auf. Dieser Nationalpark hat ja schliesslich noch ganz andere „Lookouts“ zu bieten. Und was für welche! Während der „Reed Lookout“ und „The Balconies“ mit wenig Aufwand von einem Parkplatz aus zu erreichen waren, forderte jener innerhalb der „Wonderland Ranges“ ein bisschen mehr Körpereinsatz. Getreu dem Motto „der Weg ist das Ziel“, führte uns dieser dann aber nicht nur zum "Pinnacle" (Gipfel), einem lohnenden Aussichtspunkt, sondern auch durch eine eindrückliche Schlucht, welche nicht ganz bescheiden den Namen „Grand Canyon“ trug. Die spezielle Gesteinsform erinnerte irgendwie an ein „gehäkeltes“ Muster. Oben angekommen, konnten wir eine traumhafte Aussicht auf das Tal geniessen. Wobei wir allerdings auf der abgesicherten Aussichtsplattform blieben und uns nicht auf die überhängenden Felsen wagten (Safety first - ganz im Sinne der Suva). Als wir uns wieder umdrehten, lachten uns zwei bekannte Gesichter entgegen. Es dauerte allerdings einen Moment, bis wir sie dem Ort der ersten Begegnung (auf der Fähre von Tasmanien nach Melbourne) zuordnen konnten. Australien ist ein Dorf! Wir unterhielten uns noch ein Weilchen mit den beiden deutschen Jungs und tauschten uns über bisherige Erfahrungen aus, bevor wir uns wieder auf den Rückweg begaben. Als nächstes und letztes Highlight des heutigen Tages standen die „McKenzie Falls“ auf dem Programm, die von einem weiteren Parkplatz aus über einen steilen Abstieg (allerdings über eine Treppe - mit Handlauf) zu erreichen waren. Wir sind ja immer etwas skeptisch, wenn es um Wasserfälle geht. Unten angekommen präsentierte sich uns dann aber ein durchaus sehenswerter Wasserfall. Er wird es zwar nicht unter unsere Top 3 schaffen, dafür aber umso mehr die Atmosphäre, die uns unten in der Schlucht umgab. Irgendwie magisch. Wir sassen (nachdem die Reisegruppe uns dort unten alleine zurück liess) noch lange auf einem der Steine, atmeten die frische Luft ein, lauschten den Geräuschen, schauten dem Wasser zu, wie es über die Felsen sprudelte und fühlten uns dabei von grosser Dankbarkeit erfüllt. Life is good!

 


Welcome to South Australia! (Oder: Zum Teufel mit den innerstaatlichen Quarantänevorschriften)

 

Wir hatten auch diese Nacht nochmals auf dem gleichen Campingplatz verbracht und uns damit erneut an der grossartigen Tierwelt erfreuen können. Leider war der nächste Morgen wieder in ein trostloses Grau gehüllt. Gut dass wir für heute sowieso nur einen langen Reisetag eingeplant hatten. Bevor wir aber den Grampians Nationalpark hinter uns liessen, stoppten wir noch kurz bei einem letzten Aussichtspunkt, von dem wir das Gebiet rund um den Ort Halls Gap und das umliegende Flachland überblicken konnten. Die Fahrt über Horsham bot dann wenig Abwechslung und führte uns durch eintöniges Weideland. In der kleinen Ortschaft Edenhope stoppten wir für eine Pinkelpause und entschieden uns dann auch gleich, uns in einem Café etwas zu Essen (nein, für einmal keine Pie) und einen wärmenden Capuccino zu bestellen. Wenige Kilometer weiter überquerten wir dann einmal mehr eine Staatsgrenze und landeten damit im Bundesstaat „South Australia“. Unterwegs wurden wir bereits mit mehreren Schildern auf diesen "Grenzübertritt" und die damit verbundenen - mühsamen - innerstaatlichen Quarantänevorschriften (zur Vermeidung der Verbreitung von Fruchtfliegen, Käfer etc. und den damit verbundenen Plagen und Seuchen) hingewiesen. Bei unserer Fähr-Überfahrt nach Tasmanien kamen wir bereits damit in Berührung und mussten vorher entweder alle betroffenen Lebensmittel aufessen oder diese in die dafür vorgesehenen Abfallbehälter entsorgen. Da mich diese Angelegenheit noch immer ein wenig überforderte, weil nicht in jedem Staat die gleichen Restriktionen gelten, machte ich mich kurzum im Internet schlau. Bei der Einreise in den südaustralischen Bundesstaat hätten wir demnach sämtliche Früchte und Gemüse wie Gurken, Tomaten, Zucchini (Broccoli hingegen hätten wir legal einfühen dürfen) loswerden sollen. Dummerweise führten wir jede Menge frisches Gemüse und Früchte mit uns. Müssen wir diese (noch total frischen) Lebensmittel jetzt tatsächlich entsorgen? Oder sollen wir sie in unserem VW-Bus verstecken und darauf hoffen, dass wir nicht in eine mobile Kontrolle kommen? Der Entscheid wurde uns abgenommen, als wir wenig später realisierten, dass keine Hinweisschilder mehr kamen und wir uns wohl bereits im südaustralischen Bundesstaat befanden. Tja, so schnell kanns gehen... Wir werden jetzt ganz bestimmt nicht mehr umdrehen, nur um unsere frischen Lebensmittel "ordnungsgemäss" zu entsorgen. ;) Apropos umdrehen bzw. zurückdrehen: Mit der Überquerung dieser Staatsgrenze befanden wir uns nicht mehr länger in der östlichen Zeitzone sondern ab sofort in der zentralen Zeitzone und mussten deshalb unsere Uhren um eine halbe Stunde zurückstellen. Sonst noch was, dass es zu beachten gibt? Wir dürfen gespannt sein... Als wir mit Kingston SE (= South-East) wieder die Küste erreichten, steuerten wir auf einen Rastplatz zu, der sich direkt bei einem Bootsanlegersteg befand. Wie wir über „WikiCamps“ herausgefunden hatten, darf man dort legal und kostenlos für eine Nacht campieren. Als wir dann aber dort ankamen und die Türen öffneten, stieg uns gleich ein penetranter Fischgeruch in die Nase. Somit war klar, dass wir hier ganz bestimmt nicht die Nacht verbringen werden. Hätte ich nicht so dringend auf Toilette gemusst, ich wäre gar nicht erst ausgestiegen. Damit war uns dann auch jegliche Lust auf ein Hummer-Mittagessen vergangen. Wie nämlich bereits der riesige Stahl-Lobster am Ortseingang verdeutlichte, gilt der kleine Ort als Zentrum des Hummer-Fangs. Ohne Kostprobe und auch ohne typisches Touristen-Foto mit dem Riesen-Lobster, verliessen wir denn Ort wieder und fuhren auf dem Princes Highway entlang der Limestone Coast - mit dem Vogelparadies Coroong National Park - bis nach Meningie, wo wir uns am Lake Albert auf einem Campingplatz niederliessen. Diesmal hielt uns jedoch nicht ein stinkender Fischgeruch davon ab, den Bus zu verlassen sondern einmal mehr der anhaltende Regen. Wir nutzen die Zeit, um uns im Internet über die notwenige Ausrüstung für das australische Outback schlau zu machen. Folgende Fragen beschäftigten uns nämlich: Ist ein Kanister, um zusätzlich Diesel mitzuführen, wirklich notwendig? Sollten wir aufgrund der vielen Wildtiere (Kängurus, wandernde Kühe, etc.) eventuell doch noch eine Bullbar (Frontschutzbügel) an unseren VW-Bus montieren? Wäre evtl. noch ein Satellitentelefon oder zumindest ein Not-Peilsender empfehlenswert? Genügt ein Ersatzrad oder sollten wir doch besser – wie empfohlen – ein zweites Ersatzrad besorgen?

 


Abstecher in die deutsche Siedlung Hahndorf

 

Bevor es am nächsten Tag weiter Richtung Adelaide ging, machten wir noch einen Abstecher in die deutsche Siedlung Hahndorf, welche um 1840 wie viele andere Satellitenstädten rund um Adelaide durch europäische Einwanderer entstanden ist. Als wir durch das malerische Städtchen fuhren, bemerkten wir das französische Pärchen, mit dem wir am Morgen auf dem Campingplatz noch ins Gespräch gekommen waren. Da sie in Adelaide ihren Mietcamper abgeben werden, hatten sie uns noch Dosenfutter, Champagnergläser, WC-Papier und sonstige Haushaltsartikel angeboten, die wir jedoch dankend abgelehnt hatten. Entweder, weil wir selber noch genug davon auf Vorrat hatten oder aber keine Verwendung dafür hatten. Nachdem wir nach langem Suchen dann doch noch einen freien Parkplatz entlang der Hauptstrasse fanden, schlenderten wir einmal die Strasse hoch und wieder runter. Wir hatten ehrlich gesagt etwas mehr von diesem Ort erhofft. Das deutsche Erbe ist zwar auch heute noch sichtbar. So zum Beispiel in Form von Bäckereien mit typisch deutschen Backwaren oder Metzgereien mit einer Vielzahl an Wurstwaren, die für Australien eher untypisch sind. Unserer Meinung nach hat jedoch die touristische Kommerzialisierung mit unnützen Souvenirs ("made in China") mittlerweile überhand genommen.

 


Adelaide

 

In Adelaide angekommen, stellten wir unseren VW-Bus auf einen Campingplatz und erkundeten die Stadt von dort aus zu Fuss bzw. mit den öffentlichen Bussen. Nachdem wir gleich zweimal von verschiedenen Campingmitarbeitenden darauf hingewiesen wurden, nachts auf keinen Fall durch den Park zu laufen, sondern besser eine Route entlang der beleuchteten Hauptstrasse zu wählen, waren wir dann doch etwas verunsichert. Während den zwei Tagen, die wir in Adelaide verbracht hatten, fühlten wir uns jedoch nicht eine Sekunde lang unsicher. Im Gegenteil, wir erlebten diese Stadt als ziemlich entspannt. Sie wirkte auf uns eher wie eine gemütliche Kleinstadt und nicht wie eine Millionen-Metropole. Und das obwohl die Hauptstadt Südaustraliens knapp 1,2 Millionen Einwohner zählt.

Der erste Tag in Adelaide beglückte uns freundlicherweise mit herrlichem Sonnenschein, sodass wir uns zu Fuss aufmachten, um die Stadt zu erkunden. Wir staunten über die breit angelegten Strassen und die grosszügigen Parkanlagen. Etwas das dem Briten William Light zu verdanken ist, der diese Stadt im Schachbrett-Muster geplant hatte. Der Name Adelaide klingt übrigens nicht nur sehr nach Adelheid, sondern ist tatsächlich auf Prinzessin Adelheid von Sachsen-Meinigen, die Gemahlin des britischen Königs Wilhelm IV, zurückzuführen. Als wir die Rundle Mall (übrigens die erste Fussgängerzone Australiens) erreichten, machten wir uns auf die Suche nach neuen Trekkingschuhen. Im Kathmandu (Fachgeschäfts für Funktionsbekleidung und Outdoor-Ausrüstung) kamen wir ins Gespräch mit einem der Mitarbeiter, welcher uns ein paar wertvolle Tipps fürs Outback mit auf den Weg gab. Er bestätigte dann auch unsere bisherigen Recherchen, dass wir weder eine Bullbar (solange wir nicht nachts fahren), noch ein Satellitentelefon (viel zu übertrieben und sowieso viel zu teuer) oder ein Dieselkanister (genügend Tankstellen unterwegs) auf der von uns geplanten Route benötigen. Somit gab es für uns in Adelaide gar nicht so viel zu besorgen, ausser eben ein paar neuen Trekkingschuhen. Während Martin schon bald ein passendes Paar gefunden hat (und dies obwohl er eine Grösse hat, welche nicht überall verfügbar war), brauchte ich ein bisschen länger. Entweder passten die Schuhe nicht zum Fuss, zum Budget oder zum Kopf (das war wohl das kniffligste aller Kriterien...). Resigniert und zur Aufhellung der langsam etwas angespannten Stimmung setzten wir uns in ein gemütliches Lokal, wo wir uns ein Bier und einen leckeren Burger bestellten. Nachdem sich dann nach einem weiteren Bier doch langsam die Müdigkeit bemerkbar machte, spazierten wir gemütlich zurück zum Campingplatz.

Als wir uns am nächsten Tag ebenfalls wieder zu Fuss ins Stadtzentrum begeben wollten, goss es nur so aus Kübeln. Mit Regenjacke  und Schirm trotzten wir ein paar Kilometer lang dem schlechten Wetter, stiegen dann aber schlussendlich doch noch in einen der kostenlosen öffentlichen Busse. Wir liessen uns planlos ein bisschen durch die Stadt herumchauffieren und kamen auf diese Weise doch noch zu ein bisschen Sightseeing. Beim Adelaide Oval, dem ältesten Stadion Australiens (1871), stiegen wir aus, um uns dieses näher anzusehen. Zu unserem grossen Erstaunen durften wir kostenlos bis in die Zuschauerreihen vordringen. Leider war für heute kein Spiel (weder im Cricket noch beim Aussie Rules Football) angekündigt, sonst hätten wir uns gleich ein paar Karten besorgt. Getreu dem Motto „neuer Tag, neues Glück“ starteten wir stattdessen einen neuen Versuch, doch noch ein paar passende Trekkingschuhe für mich zu finden. Und siehe da... Zur grossen Erleichterung von Tinu konnte dieses Vorhaben diesmal bereits nach kurzer Zeit erfolgreich abgeschlossen werden. Wer hätte denn schon ahnen können, dass schlussendlich jenes Paar das Rennen machen würde, welches ich gestern als erstes anprobiert hatte. ;) Als perfekten Abschluss gönnten wir uns dann noch eine leckere Holzofen-Pizza und ein paar Bierchen mit Live-Musik in einem Pub.