13.04.2016 bis 20.04.2016

 

Sydney

 

„Die grösste Stadt Australiens ist unbestritten die schönste Grossstadt des Fünften Kontinents“, heisst es in unserem Reiseführer. Und wie recht er doch hat! Wenn wir gefragt werden, was uns an Sydney am besten gefallen hat, fällt es uns jedes Mal schwer, uns auf wenige Highlights zu beschränken. Wir widmeten dieser Stadt ganze drei Tage, hätten uns aber auch ohne Weiteres 30 Tage dort verweilen können.

 

Da das Parken in der Innenstadt gemäss unserem Reiseführer extrem teuer ist (ab AUD 25.- pro Stunde), liessen wir unseren VW-Bus auf dem Campingplatz stehen und bestiegen stattdessen mal wieder einen Zug. Sydneys öffentlicher Nahverkehr ist sehr gut ausgebaut und dessen Nutzung dank der wiederaufladbaren „Opal“-Abokarte ein Kinderspiel. Beim Circular Quay, dem wichtigsten Verkehrsknotenpunkt der Stadt, stiegen wir aus dem Zug. Nun trennten uns nur noch wenige hundert Meter vom international berühmten Opernhaus und der Harbour Bridge. Als ich dann endlich vor diesen beiden architektonischen Bauwerken stand, war ich überwältigt. Irgendwann wurde dann aber doch noch der Fotoapparat gezückt, um diesen denkwürdigen Moment nicht nur im Herzen festzuhalten. Selbstverständlich durfte an dieser Stelle auch das obligatorische Selfie nicht fehlen.

Nach einem schnellen Mittagessen bei einer grossen Fastfood-Kette (wenn wir – also insbesondere ich - wegen Hunger plötzlich so richtig „uulidig“ werden, muss jeweils gaaaanz schnell was zu essen her), erkundeten wir Sydney auf einem ausgiebigen Spaziergang. Dieser führte uns entlang des Circular Quay durch den Hyatt Park, vorbei am südlichen Brückenpfeiler der Harbour Bridge (wo ein Security Wache stand, damit man nicht auf die Idee kam, dort hinaufzuklettern), hinter dem Wharf Theatre entlang der Hickson Road, vorbei am neu entstehenden Barangaroo-Hafenviertel (ein gewaltiges Hafenerneuerungs-Projekt, dessen Fertigstellung auf 2024 geplant ist) bis zum Darling Harbour. Dort werden jeweils bereits ab 15.00 Uhr Happy-Hour-Drinks offeriert. Kein Wunder... Wenn um 17.00 Uhr bereits die Sonne untergeht, muss man ja schliesslich auch früh damit beginnen. ;) Und so holten wir uns ein Bierchen (oder auch zwei) und genossen die wärmenden Strahlen der Abendsonne. Biertrinken macht dann irgendwann aber auch hungrig und so statteten wir ein paar Häuser weiter dem Hard Rock Café auch noch seinen obligaten Besuch ab. Bei einem weiteren Bierchen - diesmal ein mexikanisches - und dem dazu passenden Essen liessen wir es uns so richtig gut gehen. Um unser schlechtes Gewissen aufgrund der vielen Bier- und Nachos-Kalorien wenigstens ein bisschen zu beruhigen, schlenderten wir noch ein wenig durch die Stadt. Wir kamen vorbei an prächtigen und geschichtsträchtigen Bauten, aber auch an modernen und wahrscheinlich teuren Apartment- und Bürogebäuden. Irgendwo auf der Höhe des Martin Place, welcher das Herz des Central Business Districts bildet, konnten wir durch ein Schaufenster bei den Live-Aufnahmen des Senders „7 News“ zuschauen. Nach einem Schlummerdrink in einem Pub im „The Rocks“-Viertel beendeten wir den heutigen Tag so, wie er begonnen hat. Diesmal jedoch auf der anderen Seite des Central Quays, wo wir einmal um das Opernhaus herumliefen und dann die fantastische Aussicht auf die Harbour Bridge bei Nacht genossen.

 

Der nächste Tag startete wettertechnisch noch recht freundlich, wurde im Laufe des Tages jedoch immer trüber. Spätestens nach unserem Gang über die Harbour Bridge und dem anschliessenden Rundgang durch „The Rocks“ mussten wir uns definitiv vor einem heftigen Platzregen in Sicherheit bringen. Zufall oder nicht, landeten wir dann in einer Wirtschaft mit deutscher Hausmannskost. Und da sowieso grad Mittag war, bestellten wir uns auch gleich etwas Währschaftes zu essen. Wir liessen es uns auch heute so richtig gut gehen. Nachdem es auch nach Mittag immer noch trüb und regnerisch war, entschieden wir uns für eine Fahrt mit der Fähre und hofften, dass in Manly das Wetter vielleicht ein bisschen freundlicher ist. Wir bestiegen also eines der Touristen-Fähren, welche in unserer „Opal“-Abokarte inbegriffen war und setzten uns am Bug des Schiffes auf eine Sitzbank, direkt hinter dem Geländer. Als die Fähre vom Hafen ablegte, stellte sich jedoch plötzlich ein gross gewachsener Mann mit wallender Mähne frech vor uns. Der will doch jetzt nicht wirklich hier stehen bleiben? Nach einem erfolglosen Versuch, bei dem wir ihm deutlich machen wollten, dass er sich doch bitte einen anderen Platz suchen solle (es hätte noch zig welche gegeben, bei denen er genauso viel gesehen und niemandem die Sicht genommen hätte), gaben wir es dann aber auf. Manly begrüsste uns dann freundlicherweise mit strahlendem Sonnenschein. Und so schlenderten wir als Erstes gemütlich durch die Shopping-Meile Manly Corso und bogen dann an deren Ende zur Strand-Promenade ab. Das Wetter und die kühlen Temperaturen luden nicht gerade zum Baden ein. Auch die zahlreichen Beach-Volleyballfelder standen verlassen im Sand. Nur ein paar Surfer wagten sich mit ihren Neoprenanzügen in die Fluten. Wir setzten uns auf eine Holzbank und beobachteten sie eine Weile bei ihren mehr oder weniger gekonnten Einlagen. Für den Rückweg nahmen wir diesmal nicht wieder die Touristen-Fähre sondern eine der Schnellfähren, die zwar nicht in der Abokarte enthalten war, die Fahrt jedoch fast gleich viel kostete. Wir fanden langsam richtig Gefallen an diesen Fähren, weshalb wir uns nach Ankunft im Circular Quay gleich mit einer weiteren zum Darling Harbour befördern liessen. Dort gönnten wir uns einmal mehr eine „happy“ Hour (oder zwei). Für das Abendessen begaben wir uns dann aber wieder zu Fuss zum „The Rocks“-Viertel, wo wir mal wieder eine leckere, wenn auch nicht ganz so günstige Pizza assen (Sydney hat halt seinen Preis).

 

Am dritten Tag erkundeten wir zu Fuss weitere Quartiere. Wir starteten an der Central Station, wo wir zuerst etwas planlos herumirrten, dabei jedoch auch auf die etwas schäbigeren Ecken in Sidney stiessen (wo sich normalerweise keine Touristen hin verirrten), aber auch immer wieder in wundervollen Seitengässchen landeten, wo es viel Spannendes zu entdecken gab. In einem Strassencafé bestellten wir uns dann einen leckeren Cappuccino und was Kleines zu essen. Es war herrlich, dem Treiben auf der Strasse zuzuschauen. Bevor wir aber noch Sitzleder riskierten, spazierten wir weiter, vorbei an der Oxford Street, durch den Hyde Park runter zum Woolloomooloo Bay, wo ein paar herrschaftliche Yachten im Hafen standen. Von dort spazierten wir bei herrlich warmen Temperaturen und strahlend blauem Himmel durch den riesigen Royal Botanic Garden bis zum Opernhaus. Der 30 Hektar grosse Park feiert dieses Jahr übrigens sein 200-jähriges Bestehen.

Am Abend zog es uns dann schon wieder ins „The Rocks“-Viertel. Diesmal „gluschtete“ uns ein Burger bzw. ein paar saftige Pouletflügeli. In einem coolen Lokal mit grosser Gartenterrasse liessen wir uns nieder. Zum Dessert gab es dann noch eine Kugel Eis von der Gelateria vis-à-vis. Wenn schon, denn schon... Es fiel uns schwer, uns von dieser Stadt zu lösen und doch war der Zeitpunkt reif, um weiter zu ziehen. Zum Abschied liefen wir noch einmal über die 134 Meter hohe und 502 Meter lange Harbour Bridge, die wegen ihrer Form auch „The Coathanger“ (Kleiderbügel) genannt wird. Kaum vorstellbar, dass sie trotz der acht Fahrspuren, zwei Bahngleisen sowie einem Rad- und Fussgängerweg für viele Jahre das Nadelöhr der Stadt bildete, bis man eine zweite Verbindung, den Harbour Tunnel, gebaut hat. Auf halbem Weg drehten wir uns noch einmal um und blickten noch einmal auf die schönste Grossstadt Australiens, die uns in einem prächtigen Lichtermeer entgegenstrahlte. Auf Wiedersehen, Sydney!

 


Blue Mountains

 

Nur eine Autostunde von der Grossstadt Sydney entfernt, liegen die Blue Mountains. Diese Sektion der Great Dividing Range erhielt ihren Namen wegen des blauen Dunstes, den Millionen von Eukalyptusbäumen durch aufsteigende ätherische Öle im Sonnenlicht entstehen lassen. Als wir uns dieser Gegend näherten, stieg jedoch mehr grauer als blauer Dunst den Himmel empor. Irgendwo schien ein Feuer zu wüten. Ob freiwillig oder ausser Kontrolle entzog sich leider unserer Kenntnis. Wir konnten das Gebiet jedenfalls problemlos passieren. Bevor es für uns zu den bekannten „Three Sisters“ ging, versuchten wir zwischen Bullaburra und Wentworth Falls die Abzweigung zu einem Aussichtspunkt zu erwischen. Beim ersten Versuch hatten wir diesen jedoch knapp verpasst. Wir wendeten deshalb bei der nächsten Gelegenheit und kamen dann schlussendlich auf Irrwegen doch noch am Ende der vom Reiseführer beschriebenen Strasse an. Wir stellten unseren VW-Bus in einer Parkbucht am Strassenrand ab und begaben uns zu Fuss hinaus zu den unbefestigten Klippen. Von dort bot sich uns eine imposante Aussicht auf das riesige Jamison Valley. Da sich zur gleichen Zeit auch noch ein weiteres Pärchen dort befand, konnten wir uns gleich gegenseitig als Fotografen engagieren und ein paar eindrückliche Fotos schiessen.

Nach diesem lohnenden Abstecher fügten wir uns wieder in den Verkehr ein und fuhren weiter bis nach Leura. In diesem Ort, welcher mit kleinen Cottages, liebevoll gestalteten Gärten und einladenden Cafés auf sich wartete, gönnten wir uns auf einer Gartenterrasse – umgeben von zahlreichen asiatischen Touristen, die lieblos von allem ein Foto machten, was ihnen grad in den Weg kam - eine leckere, hausgemachte Pie. Nachdem wir noch kurz das Notwendigste eingekauft hatten, fuhren wir weiter zum extrem touristischen „Echo Point“. Der Aussichtspunkt ist beliebt wegen seines hervorragenden Blicks auf die Felsformation „Three Sisters“ – drei Felssäulen die mit einer Höhe von 910 m – über dem steil abfallenden Jamison Valley thronen. Dort angekommen, war es gar nicht so leicht, einen freien Parkplatz zu finden. Und so stellten wir unseren VW-Bus auf einen Platz, der eigentlich für Taxis gedacht war und hofften, dass wir damit keine Busse riskierten. Bei dem Trubel der hier herrschte, wollten wir uns aber sowieso nicht länger als nötig aufhalten. Die Aussicht war zwar wirklich toll und wir liessen es uns natürlich auch nicht nehmen, ein paar Fotos zu schiessen. Allerdings waren wir froh, als wir wenige Minuten später diesen überlaufenen Ort wieder (ohne Busse) verlassen konnten. Wir fuhren entlang der Klippen, wo wir wenig später zum nächsten Touristen-Zentrum zu gelangen. Im „Scenic World Complex“ befindet sich die „Scenic Railway“, mit der man auf 415 m extrem steil durch einen Tunnel und den Regenwald runter ins Tal fahren kann und sich von dort mit der Gondelbahn „Skyway“ (mit gläsernem Boden) 350 m ab Boden wiederum heil nach oben bringen lassen kann. Uns vermochte diese Attraktion allerdings nicht das Geld aus den Taschen zu reissen. Zudem wurde uns diese Ansammlung von lauten und drängelnden Touristen langsam aber sicher auch zu viel. Wir zogen es deshalb vor, uns wieder in ruhigere Gefilde zu begeben.

 Auf der Weiterfahrt passierten wir wenig später den höchst gelegenen Ort der Blue Mountains, Mount Victoria. Von dort fuhren wir weiter via Oberon durch riesige Waldabschnitte, die später in hügelige Landschaften und riesigen Farmen übergingen, die sich offensichtlich hauptsächlich auf die Schafzucht eingestellt haben. Darauf weist spätestens in Goulbourn auch ein überdimensionales Schaf (Big Merino) hin. Von hier aus nahmen wir dann langsam aber sicher wieder Kurs auf die Küste. Bevor wir aber dort ankamen, legten wir im idyllischen Hinterland noch einen Halt in Robertson ein. Wir kehrten dort bei einer „Cheese Factory“ ein, wo wir uns etwas Leckeres zu essen bestellten und anschliessend im dazugehörigen Shop und in der Brockenstube herumstöberten.

 


Kiama

 

Auf der Suche nach einem passenden Campingplatz führte uns die Camper-App bei Kiama direkt am Strand. Von unserem Platz aus hatten wir auch tatsächlich freie Sicht aufs Meer. Schade nur, dass das Wetter so gar nicht mitspielen wollte und es immer wieder nieselte. Wir nutzen deshalb die hervorragende Ausstattung des Campingplatzes für Haushaltstätigkeiten und Büroarbeiten. Während ich mich unseren Reiseberichten widmete, kümmerte sich Martin um unsere Wäsche.

Am nächsten Morgen starteten wir dann einen weiteren Versuch, bei einer Versicherung eine Motorfahrzeug-haftpflichtversicherung für Schäden an Eigentum von Dritten abzuschliessen. Bisher sind wir bei Anfragen per Telefon oder per Email kläglich gescheitert. In Australien wird die Motorfahrzeughaftpflicht auf Sach- und Personenschäden aufgeteilt. Eine Police für Personenschäden an Dritten konnten wir problemlos abschliessen. Diese war auch obligatorisch, damit wir überhaupt die Fahrerlaubnis erhalten haben. Wir gingen also im Ortszentrum von Kiama direkt in eine Versicherungsfiliale, wo wir freundlich in Empfang genommen wurden. Nachdem unser Fahrzeugmodell allerdings wieder einmal nicht im System gefunden werden konnte, rief die Dame ihren Supervisor an, um ihn um Rat zu fragen. Nachdem dies geklärt war, wurde dann aber unser Antrag noch kurz dem Underwriter vorgelegt, welcher dann einmal mehr die Anweisung gab, uns keine Police auszuhändigen. Auch hier wollte man unser in der Schweiz (und nicht in Australien) eingelöstes Fahrzeug nicht versichern. Einmal mehr verliessen wir mit hängenden Köpfen die Räumlichkeiten einer Versicherungsgesell-schaft. Ein guter Kaffee musste nun her! In einem Café um die Ecke  bestellten wir uns einen grossen Cappuccino und versuchten uns nochmals im Internet schlau zu machen. Die Abklärungen durch einen Bekannten, der in der Schweiz bei der Zürich Versicherung als Underwriter tätig ist, haben dann noch ergeben, dass es tatsächlich ein Ding der Unmöglichkeit sein könnte, für unser Fahrzeug diese gewünschte Versicherung abschliessen zu können. Um auf andere Gedanken zu kommen, versuchten wir uns mit Kiamas Hauptattraktion abzulenken. Bei den Klippen schiesst dort nämlich je nach Brandung und Gezeiten das Meerwasser durch Felslöcher meterhoch in die Luft. Ein wirklich tolles Naturphänomen! Zur Entstehung des Blowholes hier ein interessanter Auszug aus Wikipedia: Der Ort Kiama befindet sich an einer Stelle, an der sich zwei starke Lavaströme, genannt die Gerringong Volcanics, überlagern. Sie stammten aus dem über 600 m hohen Saddleback Mountain, heute ein kollabierter Vulkanschlot. Das Kiama Blowhole entstand durch Erosionsprozesse an diesem jüngeren Gestein aus Säulenbasalt und Latit.

 


Ulladulla

 

Nachdem wir Kiama verlassen hatten, ging es weiter entlang der Küste vorbei an Jervis Bay, wovon ein grosser Teil zum Australian Capitol Territory gehört und ihm damit einen Meereszugang gewährt, bis nach Ulladulla. Der von italienischen Einwanderern in den 1930er Jahren gegründete Ort lebt in erster Linie vom Fischfang. Als wir am Abend jedoch durch den kleinen Ort schlenderten, fanden wir nicht ein Fisch-Restaurant, das geöffnet hatte. Schade. Dann gibt’s halt wieder altbekannte Hausmannskost.


Queanbeyan

 

Am nächsten Tag liessen wir die Küste bereits wieder hinter uns und fuhren kurz nach Batemans Bay einmal mehr ins Landesinnere. Eigentlich wollten wir direkt bis nach Canberra fahren. Da es dort jedoch keinen passenden Camping für uns gab, versuchten wir in einer Ortschaft ausserhalb unser Glück. In Queanbeyan, das übrigens noch im Bundesstaat New South Wales liegt, machten wir dann das erste Mal die Erfahrung, dass ein Campingplatz tatsächlich ausgebucht war. Wenigstens hatte es in diesem Ort noch einen weiteren, bei dem wir unser Glück versuchen konnten. Diesmal mit Erfolg. Wir erhielten ein lauschiges Plätzchen an einem kleinen Bach. Während sich Martin im nahe gelegenen Einkaufszentraum auf die Suche nach einem neuen Kaffeeplunger machte, setzte ich mich einmal mehr hinter den Laptop. Nach getaner „Arbeit“ und erfolgreichem Kaffeeplunger-Kauf, gab es einen verdienten Apéro. Während wir gemütlich auf unseren Liegestühlen sassen, besuchte uns immer wieder eine wunderschöne, ca. 40 cm lange Echse. So langsam aber sicher legen sich meine Ängste gegenüber Australiens Tierwelt.

Am nächsten Morgen machten wir uns gleich nach dem Frühstück auf den Weg zu einer Garage. Ein Ölwechsel war fällig. Ohne vorgängige Anmeldung erkundigten wir uns danach, ob evtl. die Möglichkeit bestünde, unseren VW-Bus spontan zwischen zwei Termine rein zu quetschen. Und siehe da, weniger als 30 Minuten später wurde unser VW-Bus in die Werkstatt gefahren. Wir durften sogar unsere Campingstühle aufstellen und dort so lange auf ihn warten. Da wir uns in einem Industrieareal befanden, gab es nämlich nicht gerade viel, womit wir uns die Zeit hätten vertreiben können. Wir machten es uns also auf unseren Stühlen bequem und studierten unseren Reiseführer oder schrieben erneut ein paar Zeilen auf dem Laptop. Nach weniger als einer Stunde war der Ölwechsel (inkl. kurzem Service) erledigt und wir konnten unsere Fahrt (mit glänzend geschwärzten Reifen) fortsetzen.

 


Canberra

 

Wir waren unterwegs im kleinsten Territorium Australiens, das Anfang des 20. Jahrhunderts auf dem Boden des Bundesstaates New South Wales zur Gründung einer neuen Landeshauptstadt entstanden ist. Auf dem Weg dorthin staunten wir, dass man dazu eine Gegend ausgewählt hatte, die irgendwo im Nirgendwo kilometerweit weg von Allem gelegen ist. Wir waren sehr gespannt, was diese „Beamtenstadt“, die am Reissbrett entstanden war, zu bieten hat. Als wir uns langsam dem Stadtzentrum näherten, hätte man fast den Eindruck bekommen können, dass diese Staat bzw. ihre Strassen erst noch erstellt werden müssen. Es gab fast keinen Quadratkilometer, an dem nicht gerade gebaut wurde. Budgetprobleme scheinen sie in diesem Departement offensichtlich keine zu haben. Wir kämpften uns also vorbei an unzähligen Baustellen oder liessen uns grossräumig umleiten. Unser elektronisches Navi kam dabei ziemlich an seine Grenzen (jenes auf dem Beifahrersitz war dort sowieso schon längst angekommen). Irgendwann fanden wir dann doch noch einen Parkplatz, wo wir unseren VW-Bus abstellen und uns auf die Suche nach etwas zu essen machten. Das war allerdings gar nicht so einfach. Nach beinahe einer Stunde erfolglosem Umherirrens mussten wir resigniert feststellen, dass wir uns in dieser weitläufig angelegten Stadt offensichtlich die falsche Gegend dafür ausgesucht hatten. Als wir dann doch noch auf ein Café stiessen, setzten wir uns in die Gartenwirtschaft und bestellten uns endlich etwas zu essen. Das, was wir bisher von der Stadt gesehen hatten, langweilte uns. Sogar die Menschen die uns begegneten, kamen uns manchmal vor, wie ferngesteuerte Laborratten.

Aufgrund der grossen Distanzen zwischen den einzelnen „Sehenswürdigkeiten“ entschieden wir uns dafür, die Besichtigung der Stadt mit unserem VW-Bus fortzusetzen. Während wir uns die einen lediglich während der Fahrt aus dem Fenster anschauten, betrachteten wir die anderen etwas genauer. Beim Australian War Memorial, dessen Aussenanlage gerade für den bevorstehenden ANZAC-Day (ANZAC: Australian and New Zealand Army Corps) vorbereitet wurde, liessen wir uns sogar zu einem interessanten Museumsbesuch hinreissen. Nach einer Rundfahrt durch das Diplomaten-Viertel Yarralumla hatten wir dann aber endgültig genug von dieser „künstlichen“ Hauptstadt, die unserer Meinung überhaupt keinen Charme versprüht.