27.01.2016 bis 03.02.2016

 

Auckland

 

Der Flug mit dem neuen Dreamliner der Air New Zealand war wiederum äusserst komfortabel, auch wenn die Sitze (noch) etwas hart waren. Äusserst beeindruckt waren wir vom Entertainment-System. Es bestand aus einem Touchscreen-Display, über welches auch Snacks- und Getränke-Bestellungen aufgegeben werden konnten. Auch das Audio-System war von bester Qualität, weshalb wir einmal mehr zahlreiche Kinofilme angeschaut und so gut wie keine Minute geschlafen hatten.

 

Nach dem ca. 9-stündigen Flug sind wir kurz vor Mitternacht (Lokalzeit) in Auckland gelandet. Die Passkontrolle verlief wie gewohnt problemlos (wir hatten ja schliesslich auch nichts anderes zu befürchten). Und so hat auch der Polizeihund bei der Gepäckausgabe nicht angefangen zu bellen, als er mit der Nase an unserem Hosenbein und Gepäck schnüffelte. Da wir jedoch auf dem Einreiseformular ehrlicherweise angegeben hatten, dass wir Wanderschuhe mit dabei haben, mussten diese noch kurz auf möglichen Dreck und importiere Schädlinge kontrolliert werden. Ordnung muss sein! Wir wollen ja schliesslich nicht dafür verantwortlich sein, irgendwelche neue Krankheiten ins Land einzuführen. Da unsere Schuhe aber wie neu aussahen, gabs auch hier keinerlei Einwände und so liessen wir uns kurz darauf von einem Shuttlebus auf dem schnellsten Weg ins ibis Airport Hotel bringen. Noch kurz duschen und dann ab in die Heia.

 

Nach einem dünnen Kaffee und ein paar Scheiben Toast bzw. einer Schüssel Cornflakes (wir hätten das Frühstück besser nicht hinzugebucht und uns das Geld gespart) liessen wir uns am nächsten Morgen mit Sack und Pack von einem Taxi zur Adresse unseres Speditionsbüros unweit des Hotels chauffieren. Dort haben wir die Zollpapiere übergeben und das weitere Vorgehen bezüglich Abholung unseres VW-Busses (geplante Übergabe: 3. Februar) besprochen. Nachdem dies geklärt war, wurden wir gegen Mittag von Andrew abgeholt und zu seinem Zuhause gebracht. Andrew ist Australier, welcher allerdings seit ein paar Jahren mit seinem neuseeländischen Partner, Russel, in Auckland lebt und arbeitet. Mirjam kennt ihn von ihrer Zeit in Kanada, wo sie 2008 mit ihm im kanadischen Panorama-Mountain-Resort gearbeitet hatte. Glücklicherweise ist der Kontakt nie ganz abgebrochen und so hatte er uns doch tatsächlich eingeladen, bei ihnen zu wohnen so lange wir in Auckland sind.

 

Andrews und Russels Haus befindet sich im ruhigen Grey Lynn-Quartier unweit des Stadtzentrums. Während unseres Aufenthaltes liessen sie es uns an nichts fehlen. Sie waren die perfekten Gastgeber und haben uns immer wieder mit wertvollen Tipps eingedeckt. So hat uns Russel auch direkt nach unserer Ankunft einen Stadtplan ausgedruckt und uns zu unserer Orientierung aufgezeichnet, wo wir uns befinden und wo die schönsten Ecken der Stadt sind. Bestens ausgerüstet haben wir uns gleich am Nachmittag zu Fuss auf Entdeckungsreise begeben. Im Ponsonby-Viertel (trendiges Quartier mit schönen Häusern aus viktorianischer Zeit sowie angesagten Cafés, Restaurants, Kneipen und Boutiquen) haben wir uns dann auf der Terrasse eines gemütlichen Pubs einen Mittagsnack und unser erstes neuseeländisches Bier genehmigt, bevor wir uns wieder zu Fuss auf den Heimweg machten. Nachdem Andrew von der Arbeit nach Hause gekommen ist, hat er uns spontan an einen grossen Strand im Norden Aucklands geführt, wo wir uns eine erfrischende Abkühlung gönnten. Während der Fahrt über die Harbour-Bridge hat er uns darüber aufgeklärt, dass dort nebst der aktuellen National-Flagge zurzeit auch noch eine andere im Wind weht und sie demnächst im Rahmen eines Referendums darüber abstimmen können, welche der beiden sie in Zukunft als offizielle Flagge möchten. Wir sind gespannt, wie die Wahl ausgehen wird. Auf dem Rückweg besorgten wir uns noch schnell ein leckeres Brathähnchen und eine Auswahl frischer Salate für unser Nachtessen, welches wir dann auf Russel’s und Andrew’s Veranda mit einem guten Glas Wein und Bier genüsslich verspiesen haben.

 

Obwohl uns Andrew von Beginn an sein Auto angeboten hatte, bewegten wir uns auch am zweiten Tag hauptsächlich zu Fuss oder mit dem öffentlichen Bus durch Auckland. Irgendwie wollten wir uns den Linksverkehr in einer grösseren Stadt und noch dazu mit dem Auto eines guten Freundes noch nicht so recht zutrauen. Und so

verbrachten wir den ganzen Freitag auf dem Hafengelände, auf welchem aufgrund des Hafen-Jubiläums diverse Festaktivitäten stattfanden bzw. im Wynyard-Quartier (neu aufgewertetes Hafenviertel mit zahlreichen Restaurants und Cafés), wo Strassenkünstler aus aller Welt anlässlich des Basker-Festivals ihr akrobatisches Können zur Schau stellten. Den Abend liessen wir wiederum zu Hause auf Andrew’s und Russel’s Veranda ausklingen. Dieses Mal gabs ein leckeres Barbecue. Zu Mirjam’s grosser Freude gesellte sich auch noch Justin (ehemaliger Panorama-Resort-Mitbewohner, ebenfalls Australier der nun in Auckland lebt und arbeitet) hinzu, welcher kurzerhand noch Alana mitgebracht hatte, die (nach Mirjam’s Zeit) auch einmal im Panorama-Resort gearbeitet hat. Nach ein paar Stunden gemütlichen Beisammenseins und Austausch von zahlreichen Erinnerungen an die gemeinsame Zeit im kanadischen Panorama-Resort, kam Andrew spontan auf die Idee, einen Spaziergang auf dem pinken Light-Path zu machen. Dabei handelt es sich um eine ehemalige Autostrasse, welche nun Fussgänger und Velofahrer entlang eines Highways ins Zentrum der Stadt führt. Das besondere daran ist nicht nur der pinke Belag sondern auch die Lichtsäulen auf der Seite, welche hell erleuchten, sobald man auf gleicher Höhe ist.

 

Obwohl Russel und Andrew übers verlängerte Wochenende (Montag war ein Feiertag) zu Russels Familie gefahren sind, durften wir in ihrem Haus wohnen bleiben. Am Samstagmorgen habe wir uns direkt nach dem Aufwachen an den Hafen begeben, in der Hoffnung, das Abladen unseres VW-Buses noch live mitzuerleben. Aufgrund der Hafen-Festivitäten konnten wir hinter den sonst abgrenzenden „roten Zaun“ und somit näher ran als üblich. Und so warteten wir geduldig (den Fotoapparat im Anschlag), bis unser VW-Bus abgeladen wurde. Gegen 12.00 Uhr rührte sich auf einmal nichts mehr. Mittagspause. Auch wir nutzen diesen Unterbruch, um an einer 45-minütigen Gratis-Hafenbootstour teilzunehmen. Als wir mit dem Boot wieder in den Hafen zurückehrten, stellten wir fest, dass sie weitere Fahrzeuge aus „unserem“ Frachtschiff entluden. Und plötzlich sahen wir ihn: unseren VW-Bus! Beim Versuch, einen besseren Blick darauf zu erhaschen, hätten wir beinahe ein paar Bootspassagiere über den Haufen gerannt. Wir haben vor Freude geklatscht und gejubelt – sehr zur Verwunderung der anderen Passagiere. Wir beobachteten, in welche Richtung sie mit ihm fahren bzw. wo sie ihn hinstellen werden, in der Hoffnung, ihn noch von näherem zu betrachten. Dies gelang uns dann auch. Doch was war das?! Ist das etwa ein riesiger Kratzer von der Scheibe bis zum Hinterrad? Trotz komplett ausgefahrenem Zoom unserer Fotokamera konnte diese Frage nicht abschliessend geklärt werden. Es blieb uns nicht anderes übrig, geduldig und zuversichtlich auf die Übergabe zu warten. Bei einem Spaziergang und anschliessenden vorzüglichen Nachtessen in einem südamerikanisch angehauchten Restaurant haben wir versucht auf andere Gedanken zu kommen. Spätestens bei einem abschliessenden Mojito ist uns dies recht gut gelungen.

 

Den Sonntag haben wir beinahe komplett verschlafen. Nachdem wir erst gegen Mittag aus den Federn gekommen sind, haben wir zuerst mal eine Trommel voll Wäsche gewaschen und in der Zwischenzeit ein paar notwendige Büroarbeiten gemacht. Gegen Abend sind wir dann nochmals runter zum Hafen, da dort ein kostenloses Konzert einer  Sängerin namens Lisa Crawley und dem Auckland Symphony Orchestra mit anschliessendem Feuerwerk stattfand. Viele hatten zu diesem Event ihre Campingstühle und ein Picknick mitgenommen und es sich auf dem Areal vor der Bühne gemütlich gemacht. Und so verbrachten wir einen friedlichen Openair-Event bei sommerlichen Temperaturen inmitten von Hunderten Neuseeländern und Touristen.

 

Am Montagmorgen gingen wir von unserem „Zuhause“ aus zu Fuss auf den Mount Eden. Alle, die nun einen 3000er vor Augen haben, müssen wir leider enttäuschen. Es handelt sich hier lediglich um einen 196 Meter „hohen“ Hügel. Dieser hat es aber – im wahrsten Sinn des Wortes – in sich. Schliesslich handelt es sich bei diesem unscheinbaren Hügel um einen ruhenden Vulkan, in welchem sich ein 50 Meter tiefer, grasbewachsener Krater befindet. Vom „Gipfel“ hat man eine hervorragende Rundumsicht auf Auckland, welche wir mit diversen Fotos festgehalten haben. Gegen Mittag gingen wir nach einem kurzen Abstieg mit dem Bus einmal mehr Richtung Hafen. Bei dieser Gelegenheit warfen wir einen erneuten Blick auf unseren Bus, welcher unverändert an gleicher Stelle parkiert war. Eigentlich hatten wir im Sinn, das Mittagschiff zu den Rangitoto Islands (inaktive Vulkan-Insel) zu nehmen. Dieses hatten wir jedoch prompt verpasst, als wir uns zu lange mit Shoppen (Mirjam brauchte unbedingt eine neue Sonnenbrille, da die alte einen Aufprall auf den Boden nicht unbeschadet überstanden hatte) aufgehalten hatten. Und so entschieden wir uns stattdessen für einen Besuch im Auckland Museum, wo wir Wissenswertes über die Geografie, Natur und Besiedlung Neuseelands und die Maori-Kultur erfahren hatten. Nachdem wir die eindrückliche Architektur dieses historischen Gebäudes bestaunt und fotografisch festgehalten hatten, begaben wir uns zu Fuss auf den Heimweg. Der Zufall wollte es, dass wir exakt zur selben Zeit nach Hause kamen wie Russel und Andrew und so konnten wir ihnen gleich beim Ausräumen ihres Gepäcks behilflich sein. Anschliessend fuhren wir gemeinsam zu einem asiatischen Foodcourt im Ponsonby-Viertel und liessen den Abend anschliessend bei Bier und Wein auf ihrer Veranda ausklingen.

 

Am 2. Februar war es dann endlich so weit. Einen Tag früher als erwartet, ruf uns Geoff von der Spedition an und teilte uns mit, dass wir den Bus und die Zolldokumente gegen 14.00 Uhr bei ihnen abholen können. Der Bus sei – so viel er gesehen habe – unversehrt. Erleichterung machte sich breit und so konnten wir es kaum erwarten, den Bus in Empfang zu nehmen. Vorher gingen wir aber noch schnell in die Stadt, um uns eine AA-Mitgliedschaft zu besorgen (neuseeländischer TCS). Zudem folgten wir Justin’s Einladung, ihn an seinem Arbeitsplatz (35. Stock eines Hochhauses, mitten in der Stadt) zu besuchen. Die gewaltige Rundumsicht war atemberaubend. Wir hätten ewig dort oben bleiben können. Doch unser VW-Bus erwartete uns und so schnappten wir uns ein Taxi, welches uns auf dem schnellsten Weg zur Adresse der Spedition fuhr. Wir waren überglücklich, unseren VW-Bus tatsächlich unversehrt anzutreffen. Der vermeintliche Kratzer entpuppte sich glücklicherweise als Klebestreifen, welcher sich ohne Lackschaden entfernen liess. Geoff übergab uns die Zollpapiere und die Rechnung. Erstaunlicherweise war keine aufwändige Dampfreinigung notwendig gewesen, was uns  locker nochmals ein paar Hundert Dollar gekostet hätte. Dies sei sehr selten, hat Geoff gemeint, da die Neuseeländer normalerweise sehr darauf bedacht sind, ja kein „fremdes“ Staubkörnchen auf die Insel zu importieren. Die Inspektion durch eine VT-Station (eine Art Motorfahrzeugkontrolle) war jedoch auch für uns obligatorisch. Und so fuhren wir auf direktem Weg dorthin und liessen unseren VW-Bus durchchecken, damit wir die erforderliche Bewilligung erhalten, ihn legal auf Neuseelands Strassen zu fahren. Die sogenannten „Warranty of Fitness“ (W.O.F.) hat unser Bus – selbstverständlich - bestanden. Bei der elektronischen Erfassung unseres Schweizer Nummernschildes im System musste die Mitarbeiterin dieses auf sechs Stellen kürzen. Überraschenderweise war die Nummer LU1021 bereits vergeben, weshalb man uns kurzerhand die Nummer VL1021 zugeteilt hatte. Selbstverständlich durften wir jedoch weiterhin mit unserem Schweizer Nummernschild herumfahren.

 

Und so wagten wir uns auch kurz darauf in den Linksverkehr. Das Fahren übernahm gottseidank Martin. Als Beifahrerin war es jedoch Mirjam’s Aufgabe, ihm hin und wieder darüber Auskunft zu geben, wie die Verkehrslage von rechts aussah. Als Fahrer auf der linken Seite ist das Sichtfeld im Linksverkehr damit etwas eingeschränkt. Bei Andrews Haus sicher angekommen, kontrollierten wir, ob unser Camping-Equipment die Überfahrt auf hoher See auch unbeschadet überstanden hatte. Doch je mehr Schränke wir öffneten, umso entsetzter wurden wir. Die Gegenstände waren nicht etwa kaputt. Nein, sie waren weg! Geklaut! Bis auf unsere Luxus-Camping-Stühle und den Tisch sowie vereinzeltes Besteck und Trinkbehälter sind uns Gegenstände im Wert von über CHF 1000.00 gestohlen worden. Frust machte sich breit. Und Enttäuschung. Nachdem Martin bei der Verschiffung in die USA vor sechs Jahren keine derart negativen Erfahrungen machen mussten, waren wir zuversichtlich, dass auch dieses Mal alles gut gehen würde.

 

Unser Gastgeber Andrew sorgte aber auch hier wieder dafür, dass es uns – wortwörtlich - an nichts fehlte und fuhr uns unmittelbar nachdem er von der Arbeit nach Hause gekommen war, kurzerhand zu einem grossen Warenhaus, wo wir uns mit dem Nötigsten eindecken konnten. Die Qualität war natürlich nicht vergleichbar, hatten wir uns doch extra für unsere lange Reise mit neuen, qualitativ hochstehenden Produkten eingedeckt. Immerhin konnten wir nun aber wieder „haushalten“ und so stand unserem Camping-Abenteuer nichts mehr im Weg. Bevor es aber losging, verbrachten wir nochmals einen letzten gemeinsamen Abend mit Russel und Andrew. Bis spät in die Nacht sind wir mit ihnen und Justin, welcher auch noch kurz vorbeischaute, auf der Veranda gesessen und haben bei Bier und Wein einmal mehr über Gott und die Welt geplaudert. Nachdem wir uns von Justin bereits verabschieden mussten (es gibt ja auch noch Leute, die am nächsten Tag arbeiten müssen), haben unsere beiden Gastgeber uns noch ein letztes Mal mit wertvollen Tipps für unsere Reise eingedeckt, welche wir eifrig auf unserer Strassenkarte und in unser Notizbuch eingetragen haben. Gegen Mitternacht war es dann aber soweit und wir mussten auch von ihnen beiden Abschied nehmen. Da sie uns aber grosszügigerweise angeboten haben, wieder bei ihnen zu wohnen, wenn wir im März nach Auckland zurückkehren werden, ist dieser Abschied nur vorübergehend. Wir sind beeindruckt über diese herzliche Gastfreundschaft. Ein schönes Gefühl, auch am anderen Ende der Welt, solch gute Freunde zu haben.