08.03.2016 bis 15.03.2016

 

Wellington

 

Diesmal war die Überfahrt mit der Fähre etwas unruhiger als auf dem Hinweg. Der starke Wellengang hatte unser Wohlbefinden zeitweise ziemlich stark beeinträchtigt. Glücklicherweise mussten wir uns aber nicht übergeben und haben auch sonst die Fahrt unbeschadet überstanden. Vom Fährterminal in Wellington bis zu unserem Campingplatz wären wir eigentlich lediglich 5 Minuten unterwegs gewesen. Leider sind wir aber eine Strasse zu früh abgebogen, so dass wir anschliessend unglücklicherweise mindestens 5 lange Minuten an einer Ampel gestanden sind, bis wir uns wieder in den Verkehr einfädeln konnten. Nur um später festzustellen, dass wir auch hinten rum zum Campingplatz gekommen wären. Doch wie heisst es so schön: "Viele Wege führen nach Rom" und so haben es auch wir endlich zu unserem heutigen Schlafdomizil geschafft. Mitten in der Stadt, direkt an einer Kreuzung, neben dem Trottoir und dies ganz ohne Absperrgitter. Eigentlich war es lediglich ein Parkplatz mit Toiletten- und Duschen (für happige NZD 50.- notabene). Anfangs war uns dieser Platz nicht so ganz geheuer, doch schon bald hatten wir irgendwie Gefallen daran.

Wir spazierten entlang des Hafens und ins Stadtzentrum, wo wir uns im Cuba Viertel auf die Suche nach einem geeigneten Restaurant für unser Abendessen machten. Italienisch soll es für heute sein und so liessen wir unsere „Tripadviser App“ nach einem geeigneten Restaurant suchen. Das „Cin Cin“ soll offenbar ganz gut sein. Als wir dort ankamen und nach einem freien Tische fragten, wurde uns jedoch gesagt, dass wir uns ca. 10-15 Minuten gedulden müssten, bis einer frei werde. Hungrig wie wir waren, machten wir uns deshalb die Suche nach einer Alternative. Allerdings kehrten wir schon bald wieder zum „Cin Cin“ zurück, wo wir dann auch nach 10 Minuten unseren Tisch bekamen und uns kurze Zeit später leckere Bruschetti mit Oliven und Pizzen in einem ganz tollen Ambiente (wir befanden uns in einem überdachten Innenhof) serviert wurden. Anschliessend schlenderten wir noch ein bisschen durch die Gassen und über den Hafen zurück zu unserem Schlafplatz an der Kreuzung. Ich hätte ehrlich gesagt nicht gedacht, dass ich dort einen ruhigen Schlaf haben könnte, doch genauso war es.

 


Wellington – Ohawe

 

Am nächsten Morgen haben wir dann frech unsere Liegestühle rausgenommen und direkt neben der Ampel an der Kreuzung unseren Kaffee getrunken. Wir haben dabei die "armen" Menschen beobachtet, die sich auf dem Weg zur Arbeit befanden. Einige gingen an uns vorbei, ohne uns anzuschauen, andere wünschten uns einen schönen Tag und beneideten uns offensichtlich darum, heute nicht arbeiten zu müssen. Ja, was für ein Luxus! Herrlich! Mirjam konnte sogar mit dem Campingverwalter eine Verlängerung aushandeln, sodass wir statt um 10.00 Uhr erst um 12.00 Uhr vom Platz verschwinden mussten. Zeit genug also, um noch mit der Kabelbahn zum „Mount“ Victoria hochzufahren. Obwohl nur 200 m hoch, bot sich uns von dort eine tolle Aussicht auf die Stadt. Nach einem kleinen Rundweg gönnten wir uns einen leckeren Kaffee und einem herzhaften Muffin bzw. einen Scone, bevor es mit der Bahn (übrigens Schweizer Qualitätsarbeit aus Thun) wieder runter ins Stadtzentrum ging. Nach einem weiteren Spaziergang durch die Stadt ging es für uns dann noch rechtzeitig vor 12.00 Uhr zurück zu unserem VW-Bus, wo wir auf dem SH 1 entlang der Kapiti Coast in Richtung Palmerston fuhren. Dort haben wir im Burger King – zusammen mit einer Schulklasse – eine „gesunde“ Mittagsmahlzeit verspiesen. Anschliessend folgten wir dem SH 3 bis nach Hawera und bogen anschliessend in den SH 45 nach Ohawe ein. Dort steuerten wir auf eine Küste zu, wo sich gemäss unserer CamperMate-App ein einfacher, aber günstiger Campingplatz befinden soll. Als wir dort ankamen, sah der Campingplatz (eine riesige Wiese) ziemlich verlassen aus. Wir waren erst das dritte Fahrzeug, das sich heute dort niederliess. Eine älteren Dame hat uns dann aber herzlich willkommen geheissen und so fühlten wir uns auf dem sehr einfachen, aber liebevoll geführten Campingplatz (mit spülbaren Toiletten und Warmwasserduschen) auf Anhieb wohl. Bevor es Zeit wurde für unser Nachtessen, begaben wir uns noch auf einen kurzen Spaziergang an den Strand und atmeten einmal mehr die frische Meeresluft ein.

 


Ohawe – Waitomo Village

 

Wir hofften eigentlich, auf unserer heutigen Etappe doch noch den Mount Taranaki zu Gesicht zu bekommen, nachdem uns dieser aufgrund der starken Bewölkung bisher verborgen blieb. Doch auch heute hatten wir einmal mehr kein Glück, ihn vollständig zu sehen. Lediglich die Spitze des Berges liess sich kurz blicken. Und so fuhren wir ohne Halt bis nach Te Kuiti, wo wir unsere Vorräte auffüllten, um anschliessend direkt weiter zum Waitomo Village zu fahren. Dort angekommen, informierten wir uns erst einmal über die möglichen Glühwürmchen-Höhlen-Touren, für welche dieser Ort so bekannt ist und buchten für den übernächsten Tag eine Tour, wo es mit einem Neoprenanzug und Gummireifen durch ein Höhlensystem geht. Anschliessend gönnten wir uns einmal mehr etwas Entspannung auf unseren Liegestühlen und nahmen ein Bad im Pool des Campingplatzes, bevor es an die Zubereitung unseres Nachtessens ging. Anschliessend startete Martin einen erneuten Versuch, einen Zopf zu backen. Der erste Versuch – noch auf der Nordinsel – war aufgrund des falschen Mehls kläglich gescheitert. Diesmal sah es jedoch ganz danach aus, dass es klappen könnte. Es duftete nämlich herrlich aus dem Ofen der Campingküche. Kein Wunder also, dass wir die erste Scheibe noch am gleichen Abend verdrückten. Mmmm, lecker!

 


Waitomo Village – Marokopa

 

Heute ist uns das Aufstehen noch leichter als sonst gefallen. Schliesslich erwartete uns eine feine Züpfe zum Frühstück. Zudem waren wir auf 9.30 Uhr mit Andrew verabredet, welcher extra aus Auckland gekommen ist, um mit uns ein Wochenende in seiner „Bach“ (Ferienhütte) am Strand von Marokopa zu verbringen. Als er bei uns auf dem Campingplatz ankam, haben wir ihm als Erstes einen Kaffee und eine Scheibe Züpfe angeboten. Er fand unser Schweizer Brot ziemlich lecker und beschrieb es als eine Art Brot mit Gipfeli-Geschmack. Anschliessend fuhren wir mit ihm runter zum Strand von Marokopa, welcher ca. 50 km entfernt war. Unterwegs legten wir jedoch noch einen kurzen Halt bei einer „Natural Bridge“ ein. Das Flusswasser hat dort zwei übereinanderliegende Deckengewölbe in das Kalkgestein modelliert. Faszinierender Anblick! Eine weitere Sehenswürdigkeit auf dieser Strecke, den Marokopa-Wasserfall, liessen wir jedoch aus. Andrew war der Meinung, dass dieser nicht unbedingt „sehenswert“ sei. Als wir bei der Bach ankamen, sind kurze Zeit später Allan (ein Bekannter von Andrew) und sein Schützling Ben vom Fischen zurückgekommen. Und so gabs frischen Fisch und Toastsandwiches zum Mittagessen. Nach einem kurzen Mittagsschlaf hat uns Andrew noch schnell in der Gegend rumgefahren, damit wir diese etwas besser kennenlernen bzw. eine tolle Aussicht darauf hatten. Ansonsten verbrachten wir den Tag hauptsächlich mit Faulenzen, Sonne tanken und Essen. Am frühen Abend – als wir mit Andrew bei einen Apéro mit Käse, Kracker, Oliven Wein und Bier sassen, gesellte sich auch noch Leo, ein Ferienhaus-Nachbar, zu uns. Dieser hatte ein paar lustige Anekdoten von zahlreichen Reiseabenteuern rund um die Welt parat und hielt sich selbstverständlich ebenfalls nicht mit den von den Kiwis üblichen Warnungen für Australien (giftige Schlangen und Spinnen, grässlich grosse Kröten – Fazit: bleibt lieber in Neuseeland) zurück. Als es dann langsam dämmerte, begaben wir uns mit einem Quad an den Strand, um ebenfalls ein paar Fischfangversuche zu starten. Martin war auch tatsächlich erfolgreich und zog einen für Schweizer Verhältnisse grossen Fisch an Land. Dieser landete jedoch nicht auf dem Grill, sondern wurde als Köder für den nächsten Tag verwendet. Tja, so geht das in Neuseeland. Andere Länder, andere Verhältnisse. Zum Abendessen gab es dann auch wider Erwarten keinen Fisch sondern ein Buffet aus verschiedensten Gerichten, die Andrew und Allan vorbereitet bzw. gekauft hatten. Und so konnten wir lediglich noch Wein und Bier dazu steuern und in toller Gesellschaft ein leckeres Abendessen geniessen.

 


Marokopa – Waitomo Village – Waitomo Caves – Waitomo Village

 

Am nächsten Morgen hatte sich Andrew schon früh verabschiedet, um sich wieder auf den Weg nach Auckland zu machen, da er dort für den Nachmittag eine Verabredung hatte. Wir machten uns wenig später ebenfalls auf den Weg, da wir ja noch eine Tour im Reich der Glühwürmchen gebucht hatten. Dort angekommen wurden wir kurze Zeit später von unseren Guides in Empfang genommen und entsprechend instruiert. Anschliessend gab es für alle Socken, Hosen, Jacken und Schuhe aus Neopren sowie einen Helm. Nachdem alle angezogen waren, wurde ein obligates Erinnerungsfoto gemacht, bevor wir alle in einen (lotterigen) Reisebus verfrachtet wurden. Als wir bei den Höhlen angekommen sind, gab es als Erstes eine Runde Trockenübung in einem kleinen Bach. So mussten wir mit einem Gummireifen aus ca. 1,5 m Höhe von einem Steg rücklings ins Wasser springen. Etwas das uns auf unserem Höhlenrundgang ebenfalls erwarten wird, nur das wir dort dann keine Zeit mehr zum Üben haben. Die knapp 2-stündige Tour war ihr Geld wirklich wert gewesen. Eine gute Mischung aus Spass, Bewegung und faszinierender Natur (der Anblick dieser unzähligen Glühwürmchen war einfach herrlich). Wir würden es jederzeit wieder machen und jedem empfehlen. Als wir wieder zum Treffpunkt zurückgeführt wurden, waren wir jedoch früh, uns aus den nassen Neoprenanzügen zu schälen, welche dann direkt in ein Desinfektionsbad getaucht wurden, bevor die nächste Gruppe sich diese wieder überziehen konnten. Frisch geduscht und trocken gerubbelt gab es dann anschliessend in der Caféteria noch eine heisse Suppe mit einem Bagel, wo wir auch gleich die zahlreichen Fotos, die unsere Guides geschossen hatten, auf einem Bildschirm betrachten konnten. Selbstverständlich hätte man diese (leider nur alle und nicht nur einzelne) für über NZD 30.- kaufen können, doch leider waren die Aufnahmen nicht sehr gut gelungen, weshalb wir darauf verzichet hatten. Und so fuhren wir auch schon bald wieder zurück zum Campingplatz (dem gleichen, auf welchem wir schon vorletzte Nacht campiert hatten) und entspannten dort noch ein bisschen auf unseren Liegestühlen.

 


Waitomo Village – Piha

 

Bevor es für uns wieder zurück nach Auckland ging, machten wir noch einen kleinen Abstecher nach Westen. Hinter Hügeln und dichten Wälder erwartete uns der Piha Beach, ein bei Surfern beliebter Strand mit schwarzem Sand, welcher vom Lion Rock geteilt wird. Bei der Zufahrt von der hoch gelegenen Strasse hielten wir kurz am Strassenrand an, um die tolle Aussicht darauf zu geniessen. Nachdem wir uns unseren VW-Bus auf dem Campingplatz abgestellt hatten, machten wir uns auf an den Strand. Das Surfen überliessen wir allerdings jenen, die es konnten (oder zumindest so taten). Eigentlich hätten wir erwartet, dass es an einem solch bekannten Strand kein Problem sein sollte, ein gemütliches Restaurant zu finden. Doch wir mussten uns eines besseren Belehren. Die wenigen, die es gab, hatten an diesem Montagabend geschlossen. Mit Google’s Hilfe sind wir dann aber doch noch auf ein Lokal gestossen, das an diesem Abend geöffnet hatte. Als wir dort ankamen und bei der Theke was zu Essen und zwei Bier bestellen wollten, wurden wir darauf hingewiesen, dass wir entweder einen Vereins-Mitgliederbeitrag von NZD 60.- bezahlen müssten oder uns eine Unterschrift eines bestehenden Mitglieds zu besorgen. Der Barkeeper reichte uns dazu ein Buch, wo wir unsere Namen und Adresse eintragen mussten und deutete auf drei Männer auf der Terrasse, welche uns gerne die benötigte Unterschrift gaben. In Neuseeland brauchen Restaurantbetriebe eine entsprechende Lizenz, bevor sie Alkohol ausschütten dürfen. Wir gehen davon aus, dass diese mit einem Verein (dieser hier bestand aus ehemaligen Militärdienstleistenden) umgangen werden kann. Wir erhielten also unser Bier sowie ein paar leckere Fajitas zu Essen und genossen einen friedlichen Sommerabend.

 


Piha – Auckland

 

Nachdem wir Piha verlassen hatten, hielten wir unterwegs Ausschau nach einem geeigneten Standort, wo wir unser restliches Gas aus dem Tank entweichen lassen können, ohne gleich eine Explosion auszulösen. Nachdem dieses Problem erfolgreich gelöst werden konnte, machten wir uns auf den Weg zu unserem Agenten, welcher uns beim erneuten Verschiffen behilflich ist. Wir brachten ihm das Carnet de Passage (den Pass für unseren VW-Bus) und besprachen mit ihm das weitere Vorgehen. Nach einem kurzen Mittagessen trafen wir dann im Grey Lynn-Viertel ein, wo wir von Russel herzlich in Empfang genommen wurden. Glücklicherweise haben sie uns erneut Asyl angeboten, um von ihrem zu Hause aus alles weitere für unsere Reise nach Australien zu organisieren. Wir könnten nicht dankbarer sein für diese ausserordentliche Gastfreundschaft!